Morgenwunder

Weltall & Universum

Ein Felsbrocken, der die Erde seit Jahrtausenden nicht überholt

2002 AA29 ist ein winziger Asteroid von vielleicht 50 bis 100 Metern Durchmesser, den die Himmelsüberwachung LINEAR im Januar 2002 aufgespürt hat. Das Besondere an ihm ist seine Umlaufbahn: Sie ist der Erdbahn so ähnlich wie bei kaum einem anderen bekannten Objekt, fast kreisförmig und mit einer Umlaufzeit von genau einem Jahr. Dadurch steht er in einer engen gravitativen Wechselwirkung mit der Erde, was bei Asteroiden nur unter besonderen Bedingungen stabil bleibt. Als er entdeckt wurde, war er damit der bislang überzeugendste Kandidat für einen echten Bahnbegleiter unseres Planeten.

Von der Erde aus betrachtet bewegt sich 2002 AA29 nicht einfach im Kreis, sondern beschreibt über rund 95 Jahre einen riesigen hufeisenförmigen Bogen entlang der Erdbahn, der sich hinter der Sonne schließt. Nähert er sich der Erde von vorne, wird er auf eine etwas schnellere, sonnennähere Bahn katapultiert und eilt ihr davon; holt sie ihn von hinten wieder ein, hebt sie ihn auf eine langsamere, sonnenfernere Bahn – ein ewiges Verfolgungsspiel, bei dem sich beide nie näherkommen als etwa das Zwölffache des Mondabstands. Wegen seiner leichten Bahnneigung schlüpft er alle paar Jahrhunderte kurzzeitig durch dieses Muster und wird für rund 45 Jahre zu einer Art zweitem, sehr losem Mond, einem sogenannten Quasisatelliten, bevor er wieder in seine Hufeisenbahn zurückkehrt. Damit war er der erste bekannte Himmelskörper, bei dem dieser Wechsel zwischen beiden Bahnformen nachgewiesen wurde, wobei sich sein Verhalten nur für einige Jahrtausende zuverlässig berechnen lässt, weil die Bahn danach chaotisch wird.

Woher der Brocken stammt, ist nicht sicher geklärt: Vielleicht wurde er durch Jupiter und Effekte der Sonneneinstrahlung aus dem äußeren Sonnensystem ins Erdumfeld gelenkt, vielleicht entstand er aber auch direkt in Erdnähe, etwa als Bruchstück eines Einschlags auf Erde oder Mond. Auch über sein Material weiß man wenig, nur dass es wegen der Sonnennähe kein Eis sein kann und wohl eine dunkle, kohlenstoffreiche oder hellere, silikatreiche Oberfläche vorliegt, was die Schätzungen zu Größe und Zusammensetzung ziemlich unsicher macht. Radarmessungen deuten zudem auf eine sehr kurze Rotationsperiode von unter einer Stunde hin, was bedeutet, dass er kein loser Schutthaufen sein kann, sondern aus einem einzelnen, eher porösen Felsbrocken bestehen muss. Wegen seiner erdähnlichen Bahn wäre er ein bequemes Ziel für eine Raumsonde gewesen, doch inzwischen entfernt er sich wieder von uns, und mittlerweile sind auch andere ähnliche Erdbegleiter wie ein bestätigter Erdtrojaner entdeckt worden.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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