Morgenwunder

Kunst & Architektur

Seit der Antike goss niemand mehr Bronze in dieser Größe

Die Bavaria über der Theresienwiese ist die bekannteste Personifikation Bayerns und dazu ein technisches Wunderwerk: die erste komplett aus Bronze gegossene Kolossalstatue seit der Antike. König Ludwig I. ließ sie zwischen 1843 und 1850 zusammen mit der sie umrahmenden Ruhmeshalle errichten, als eines von mehreren privat finanzierten Nationaldenkmälern, mit denen er ein einiges, größeres Bayern und Deutschland feiern wollte. Der Bau geht auf einen Architekturwettbewerb von 1833 zurück, den Leo von Klenze gewann, dessen ursprüngliche Entwürfe die Bavaria noch ganz als griechische Amazone im Stil der Athena Promachos zeigten. Erst der Bildhauer Ludwig Schwanthaler, ein Anhänger der Romantik und Gegner der Antikenbegeisterung, wandelte die Figur über Jahre hinweg in eine „germanische“ Gestalt mit Bärenfell, Eichenkranz und gezogenem Schwert um, wie man sie heute kennt, mitsamt dem Löwen als Symbol der Wehrhaftigkeit.

Die eigentliche Herstellung war eine logistische und handwerkliche Meisterleistung der Münchner Erzgießer Stiglmaier und Miller: Die über achtzehn Meter hohe, rund 87 Tonnen schwere Statue wurde in vier großen Teilgüssen hergestellt, wobei der Kopf sogar aus eingeschmolzenen türkischen Kanonen gegossen wurde, die einst im griechischen Unabhängigkeitskrieg versenkt und von Ludwigs Sohn Otto als griechischem König geborgen worden waren. Die Fertigstellung geriet in Gefahr, als Ludwig 1848 abdanken musste und sein Nachfolger Maximilian das Projekt nur unzureichend weiterfinanzierte, sodass Miller zeitweise in ernste Geldnot geriet, bis der abgedankte König die Finanzierung wieder privat übernahm. 1850 wurde die Statue schließlich in einem aufwendigen Festakt enthüllt, der sich, sehr zum Unbehagen der Regierung, zu einer regelrechten Huldigung für den entmachteten Ludwig entwickelte, während die Ruhmeshalle selbst erst Jahre später fertig war. Bis heute kann man über eine Wendeltreppe in den Kopf der Figur steigen, wo eine kleine Aussichtsplattform mit Sitzbänken auf Besucher wartet.

In der NS-Zeit wollte man das Ensemble mehrfach radikal umgestalten oder sogar abreißen lassen, um Platz für Aufmarschstraßen oder eine gigantische Kongresshalle zu schaffen, nutzte die Theresienwiese aber zugleich gerne für propagandistische Massenveranstaltungen. Im Jahr 2001 musste die Statue wegen gravierender, über zweitausend Einzelschäden komplett für Besucher gesperrt werden, woraufhin ein eigens gegründeter Verein durch den Verkauf von Repliken und Werbeflächen am Baugerüst zur Finanzierung einer rund eine Million Euro teuren Sanierung beitrug. Dabei wurden unter anderem der erhobene Arm stabilisiert und eine neue Wendeltreppe eingebaut, während der Sockel der Statue bis heute renovierungsbedürftig bleibt. Schwanthalers Entwurf wirkte später auch über Bayern hinaus, etwa als Vorbild für ein Basler Denkmal, und die Statue prägt mit ihrer Lage an der offenen Hangkante bis heute das Stadtbild Münchens.

Die Bavaria ist die erste Kolossalstatue seit der Antike, die komplett aus gegossener Bronze besteht – Bauzeit 1843 bis 1850.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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