Morgenwunder

Erfindungen & Technik

Der Klimaretter, der am Ende Regenwald kostete

Biodiesel bezeichnet ursprünglich Fettsäuremethylester, der durch Umesterung von Pflanzenölen oder tierischen Fetten mit Methanol entsteht, meist aus Rapsöl gewonnen und daher oft Rapsmethylester genannt. Die Idee ist alt: Schon 1853 wurde das Umesterungsverfahren beschrieben, doch erst der Belgier George Chavanne entwickelte in den 1930er Jahren ein Patent, das ab 1938 erstmals im Linienbusbetrieb zwischen Brüssel und Löwen genutzt wurde. Nach dem Krieg geriet die Idee wegen billigen Rohöls in Vergessenheit und erlebte erst durch die Ölkrisen der 1970er Jahre ein Comeback, mit ersten kommerziellen Anlagen in Österreich und Südafrika. Seitdem mischen viele Länder Biodiesel ihrem normalen Diesel bei, in Deutschland sind seit 2009 bis zu sieben Prozent erlaubt, gekennzeichnet als B7. Hergestellt wird er technisch meist mit Methanol und einem basischen Katalysator, wobei als Nebenprodukt Glycerin anfällt, das selbst industriell weiterverwertet wird; Forscher experimentieren inzwischen auch mit Enzymen, Mikroorganismen oder überkritischem Methanol als Alternativen zum klassischen Prozess.

Als Kraftstoff hat Biodiesel einige praktische Vorteile: Er ist biologisch gut abbaubar, schmiert besser als mineralischer Diesel und ist wegen des hohen Flammpunkts kein Gefahrgut. Gleichzeitig bringt er technische Tücken mit sich – er kann in alten Fahrzeugen Dichtungen angreifen, neigt zu mikrobiellem Befall und reichert sich im Motoröl an, weshalb häufigere Ölwechsel nötig werden. Genutzt wird er heute vor allem im Straßenverkehr, aber auch vereinzelt bei Bahnen, Schiffen und sogar in Testflügen der Luftfahrt, etwa bei Virgin Atlantic oder Air New Zealand. In Deutschland sorgte die schrittweise Erhöhung der Energiesteuer dafür, dass der Verkauf von reinem Biodiesel als B100 nach 2013 praktisch zum Erliegen kam, während die Beimischung zu normalem Diesel weiterläuft und der Rohstoffmix sich zunehmend auf Altspeisefette und importiertes Palmöl verschiebt.

Ökologisch ist Biodiesel umstritten: Er stößt zwar weniger Kohlenwasserstoffe und Feinstaub aus, dafür aber oft mehr Stickoxide, und seine Klimabilanz hängt stark davon ab, ob man Landnutzungsänderungen mitrechnet, etwa wenn für Palmöl Regenwald gerodet wird. Der Flächenbedarf ist enorm – um den deutschen Dieselverbrauch allein durch heimischen Raps zu decken, bräuchte man ein Vielfaches der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes. Das führt zu Konflikten mit der Nahrungsmittelproduktion und dem Erhalt der Artenvielfalt, besonders wenn Anbauflächen in Regenwaldgebieten in Malaysia oder Indonesien ausgedehnt werden. Wie nachhaltig Biodiesel tatsächlich ist, bleibt daher eine offene Frage, die stark vom verwendeten Rohstoff und der Herkunft der Flächen abhängt.

Biodiesel stößt insgesamt weniger Emissionen aus als Mineralöldiesel – bei Stickoxiden liegen die Rohemissionen aber höher. Und weil Deutschland die Steuerförderung ab 2013 zurückfuhr, brach der Absatz als Reinkraftstoff deutlich ein.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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