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Erst Bier, dann nicht mehr – der Name hat es überlebt

Die Braunschweiger Mumme ist ein uraltes Bier aus Braunschweig, das je nach Brauart kaum oder sehr stark alkoholisch war und dessen Geschichte bis ins Spätmittelalter zurückreicht. Um das Getränk ranken sich bis heute hartnäckige Legenden, etwa die, ein Brauer namens Christian Mumme habe das Rezept um 1492 verbessert und dem Bier seinen Namen gegeben. Diese Geschichte, maßgeblich verbreitet durch ein Buch von 1736 und dazu passende Kupferstiche, erwies sich erst 1911 durch den Historiker Heinrich Mack als Erfindung, denn eine Rechnung von 1390 belegt die Bezeichnung „Mumm“ schon über hundert Jahre früher. Auch andere Erzählungen, etwa die vom übergewichtigen „Mumme-Kind“ oder die angebliche Qualitätsprobe durch Festkleben auf einem Schemel, entpuppten sich als reine Anekdoten.

Tatsächlich war Mumme ursprünglich einfach die Bezeichnung für dunkles Bier und wurde dank ihres hohen Zucker- und Alkoholgehalts zu einem der wenigen länger haltbaren Lebensmittel der frühen Neuzeit. In einer extra starken Variante, der „Schiff-Mumme“, diente sie als Proviant auf langen Seereisen und soll sogar geholfen haben, Skorbut vorzubeugen, was ihr bis nach Ost- und Westindien Absatz verschaffte. Der Exporterfolg weckte Neid: Bremen belegte die Durchfuhr mit hohen Zöllen, und in England gelangte das Rezept durch einen General Cromwells in fremde Hände, die das Bier dort nachbrauten. Mit der Zeit verdarben schlechte Nachahmungen den Ruf des Originals, während anderswo besser schmeckende, ebenfalls haltbare Biere aufkamen, sodass Mumme ihre führende Stellung verlor und im 18. Jahrhundert schließlich zu einem alkoholfreien Malzgetränk für Wöchnerinnen und Genesende umgewandelt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der auch die traditionsreichen Braustätten der Stadt zerstörte, blieb nur noch eine Handvoll Betriebe übrig, und die Produktion geriet mehrfach ins Wanken, etwa 1990 wegen eines zu hohen Eisengehalts aus einem alten Braukessel. Seit 1996 wird Mumme wieder hergestellt, allerdings nicht mehr in Braunschweig selbst, sondern in Mülheim an der Ruhr, von wo sie in Fässern zurückgebracht und vor Ort in Dosen abgefüllt wird. Lange fristete das alkoholfreie Getränk ein Nischendasein als Souvenir für Touristen, bis es seit der ersten „Mumme-Meile“ 2006 wiederentdeckt wurde und heute vor allem als Zutat für Soßen, Gebäck oder als Schuss im hellen Bier Verwendung findet. Auch der Name lebt in Städten wie Wismar oder im dänischen Tuborg-Bier fort, die ihn sich im Lauf der Jahrhunderte ebenfalls zunutze gemacht haben.

Das Getränk war bedeutend genug für einen eigenen lateinischen Namen: Mumma Brunsvicensium, kurz Mumia.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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