Morgenwunder

Erde & Orte

Dem Meer abgetrotzt und heute 2,5 Meter unter dessen Spiegel

Bunde ist eine kleine Einheitsgemeinde im ostfriesischen Rheiderland, direkt an der niederländischen Grenze und am Dollart gelegen – als einzige ostfriesische Kommune mit einer echten Landgrenze zu den Niederlanden. Rund 7500 Menschen leben hier auf einer eher dünn besiedelten Fläche, fast ein Zehntel davon sind Niederländer, die wegen günstigerer Immobilienpreise zugezogen sind und oft ins Nachbarland pendeln. Landschaftlich prägt der Gegensatz zwischen der alten Geestinsel um den Hauptort und den seit einer verheerenden Sturmflut 1509 immer wieder dem Meer abgerungenen Poldern das Gebiet, mit dem Wynhamster Kolk als einer der tiefsten Landstellen Deutschlands. Wirtschaftlich dominieren bis heute Landwirtschaft und, in wachsendem Maße, sanfter Tourismus, während Industrie kaum eine Rolle spielt.

Die Geschichte Bundes ist stark von der schrittweisen Landgewinnung nach der großen Flut geprägt: Jahrhundertelang wurde neues Marschland eingedeicht, was reiche Großbauern hervorbrachte, während viele Landarbeiter in bitterer Armut lebten – ein sozialer Gegensatz, der sich in Auswanderungswellen nach Amerika, in Streiks bei Deicharbeiten und später in der starken SPD-Verwurzelung der Gemeinde niederschlug. In der Weimarer Zeit gewannen die Nationalsozialisten früh Einfluss, es kam zu Gewalt gegen politische Gegner, und nach 1933 wurden Kommunisten verhaftet und die kleine jüdische Gemeinde Bundes systematisch verdrängt, bis die letzte Familie 1942 deportiert wurde. Nach dem Krieg kamen viele Vertriebene, die Bevölkerung wuchs zunächst kräftig, ging dann aber wegen mangelnder wirtschaftlicher Perspektiven zurück, bevor in jüngerer Zeit vor allem niederländische Zuwanderer die Einwohnerzahl wieder stabilisierten. 1973 entstand aus mehreren Gemeinden die Samtgemeinde Bunde, die 2001 in die heutige Einheitsgemeinde mit fünf Ortschaften überging.

Kulturell ist die Gemeinde reformiert-calvinistisch geprägt, mit einer alten Kreuzkirche aus dem 13. Jahrhundert und dem Steinhaus Bunderhee, einer der ältesten Burganlagen Ostfrieslands, die heute museal genutzt wird. In den Poldern stehen beeindruckend große Gulfhöfe, die den einstigen Wohlstand der Bauern zeigen, dazu mehrere historische Windmühlen und eine kleine Wasserschöpfmühle am Kolk. Bis ins 19./20. Jahrhundert wurde vielerorts Niederländisch gesprochen und gepredigt, Spuren davon finden sich noch im lokalen Plattdeutsch. Vereine, Feste wie der traditionelle Pfingstmarkt und Naturschutzgebiete am Dollart mit Beobachtungstürmen für Watvögel prägen heute das Gemeindeleben, während Verkehrsadern wie die Autobahnen 31 und 280 die einst abgeschiedene Grenzregion an Ostfriesland und die Niederlande anbinden.

Knapp neun Prozent der Einwohner sind Niederländer – Bunde ist die einzige ostfriesische Kommune mit Landgrenze zu den Niederlanden.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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