Natur & Lebewesen · Erde & Orte
Hier fließt das Wasser nicht ins Tal, sondern in den Berg hinein
Das Dachsteingebirge gehört zu den Nördlichen Kalkalpen und liegt verteilt auf Oberösterreich, Salzburg und die Steiermark, mit dem Hohen Dachstein als höchstem Punkt auf fast 3000 Metern. Geprägt wird die Landschaft von Dachsteinkalk, der sich über Jahrmillionen abgelagert hat und heute ein riesiges Karstplateau bildet, durchzogen von Hunderten Höhlen – darunter die über 112 Kilometer lange Hirlatzhöhle, eine der längsten Österreichs. Weil das Wasser fast ausschließlich unterirdisch abfließt, gibt es an der Oberfläche kaum Bäche, dafür treten am Fuß des Gebirges kräftige Karstquellen aus. Auf dem Plateau liegen außerdem die östlichsten und zugleich größten Gletscher der Nördlichen Kalkalpen, die allerdings seit ihrem Hochstand um 1850 größtenteils stark schrumpfen. Die Fossilien im Gestein, etwa die berühmten Ammoniten im Hallstätter Kalk, haben die Gegend zu einem Ausgangspunkt der österreichischen Paläontologie gemacht.
Die Höhenunterschiede sorgen für eine ausgeprägte Staffelung von Wäldern, Latschengürteln und alpinen Rasen, in denen seltene und teils endemische Pflanzen wachsen, dazu kommen Moore von internationaler Bedeutung. Auch die Tierwelt ist vielfältig, von Gämsen, Steinböcken und Murmeltieren über vier Raufußhuhnarten bis zu einem blinden Höhlenkäfer, der die Eiszeiten tief im Fels überdauert hat. Wegen dieser Fülle an seltenen Arten stehen große Teile des Gebirges unter Naturschutz, sowohl als Landesschutzgebiete als auch als europäische Natura-2000-Flächen. Genutzt wird die Landschaft trotzdem intensiv: Fast das gesamte Gebiet gehört den Österreichischen Bundesforsten, die Almwirtschaft ist dagegen seit einer Klimaverschlechterung im 17. Jahrhundert stark zurückgegangen. Jahrhundertelang bestimmte zudem die Salzgewinnung in Hallstatt die Waldnutzung, weil riesige Mengen Brennholz für die Siedepfannen gebraucht wurden.```
Bergsteiger erschlossen den Dachstein ab dem frühen 19. Jahrhundert, mit Erzherzog Johann als einem der ersten Pioniere und dem Forscher Friedrich Simony, der Wege und Hütten förderte; bis heute erinnern zahlreiche Alpenvereinshütten und anspruchsvolle Kletterrouten an diese Geschichte. 1954 endete eine Schulwanderung aus Heilbronn in einem Schneesturm tödlich, ein Unglück, an das heute Kreuz und Gedenkstätten erinnern. Heute leben Tourismus und Wintersport von einem dichten Netz aus Wanderwegen, Seilbahnen, Skigebieten und Attraktionen wie der Dachstein-Rieseneishöhle, wobei der Sommertourismus mittlerweile wirtschaftlich wichtiger ist als der Winterbetrieb. Die lange Besiedlungsgeschichte rund um den prähistorischen Salzbergbau in Hallstatt, die bis ins Jahr 5000 vor Christus zurückreicht, trug dem Gebiet gemeinsam mit dem Inneren Salzkammergut den Status als UNESCO-Welterbe ein. Maler der Biedermeierzeit und Schriftsteller wie Adalbert Stifter haben die Landschaft zudem künstlerisch festgehalten, und noch heute besingt die steirische Landeshymne den Berg als höchste Erhebung des Bundeslandes.
Unter dem Massiv liegt die Hirlatzhöhle mit über 112 Kilometern vermessener Länge – die drittlängste Höhle Österreichs. Der Gipfel darüber verfehlt mit 2996 Metern die 3000er-Marke um vier Meter.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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