Körper & Medizin
Der Pilz, der am besten zu dir passt, bleibt am längsten
Dermatophytose, umgangssprachlich Hautpilz oder Tinea genannt, ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt und betrifft Haut, Haare oder Nägel, weil die verursachenden Pilze sich ausschließlich von Keratin ernähren. Man unterscheidet Erreger danach, ob sie hauptsächlich vom Menschen, von Tieren oder vom Erdboden übertragen werden, wobei an einen Wirt angepasste Pilze meist mildere, aber langwierigere Verläufe auslösen. Weltweit erkrankt etwa jeder Fünfte im Laufe seines Lebens daran, und auch bei Rindern, Katzen, Hunden oder Meerschweinchen sind hohe Durchseuchungsraten bekannt, oft ohne dass die Tiere selbst Symptome zeigen. Ausbruch und Schwere hängen stark von Immunsystem, Hautverletzungen, feuchtwarmem Klima und ähnlichen begünstigenden Faktoren ab, während schwere Verläufe fast nur bei geschwächter Abwehr auftreten.
Weil sich das Krankheitsbild von leichter Schuppung bis zu eitrigen, juckenden Herden sehr unterschiedlich zeigen kann, ist die Diagnose keineswegs einfach und erfordert eigentlich die Kombination mehrerer Verfahren. Klassisch ist der direkte mikroskopische Nachweis von Pilzfäden im abgekratzten Hautmaterial, ergänzt durch eine Pilzkultur, die aber erst nach zwei bis drei Wochen ein Ergebnis liefert und selbst dann, besonders bei Nagelpilz, häufig falsch-negativ ausfällt. Auch Hautbiopsien oder die Untersuchung unter der Wood-Lampe, die manche Pilzarten durch eine typische Fluoreszenz verraten, helfen nur bedingt weiter. Erst neuere molekulare PCR-Tests versprechen eine schnellere und zuverlässigere Bestimmung, setzen sich in der Routine aber erst langsam durch. Behandelt wird meist mit lokalen oder bei Nagelbefall systemischen Antimykotika, begleitet von Hygienemaßnahmen wie Wäschewechsel und Vermeidung gemeinsam genutzter Kämme oder Handtücher, während Impfstoffe vor allem in der Tiermedizin, etwa bei Rindern in Norwegen, erfolgreich eingesetzt wurden.
Historisch reicht der Umgang mit solchen Hautveränderungen bis in die Antike zurück, doch die eigentliche Ursache – ein Pilz – wurde erst im 19. Jahrhundert erkannt, als Forscher wie Schönlein, Remak und der Ungar Gruby die Erreger beschrieben und teils an sich selbst Infektionsversuche unternahmen. Der Franzose Sabouraud entwickelte um 1890 sowohl eine Taxonomie als auch den bis heute gebräuchlichen Nährboden zur Anzucht der Pilze. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden Betroffene mit Röntgenstrahlung behandelt, was zu zahlreichen strahlenbedingten Krebserkrankungen führte und, besonders bei jüdischen Einwanderern nach Israel, später zu einem Entschädigungsgesetz führte. Erst 1958 begann mit dem Wirkstoff Griseofulvin die eigentliche Ära wirksamer Antimykotika, während parallel auch an Impfstoffen gegen die Tierform der Krankheit gearbeitet wurde.
Alle vom Tier stammenden Dermatophyten können auch Menschen krank machen – solche Hautpilzinfektionen sind damit schlicht Zoonosen. Der lateinische Name Tinea bedeutet übrigens Holzwurm oder Motte.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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