Ungelöste Rätsel · Kuriose Geschichte
Zwei Menschen, mit rotem Lehm bedeckt – und dazwischen ein Hund
Stell dir vor, Steinbrucharbeiter stoßen 1914 bei Bonn auf zwei Skelette, die rötlich verfärbt unter flachen Steinplatten liegen – ein etwa 50-jähriger Mann, eine junge Frau um die 20, dazu Hundeknochen und bearbeitete Tierreste. Das Besondere: Die Bestattung ist über 13.000 Jahre alt und gehört damit zu den ältesten bekannten Gräbern moderner Menschen in Deutschland. Wissenschaftler der Bonner Universität rückten schnell an und erkannten, dass es sich nicht um einen römischen oder fränkischen Fund handelte, sondern um Menschen aus der ausgehenden Eiszeit. Die Schädel waren so gut erhalten, dass man noch heute detaillierte anatomische Vergleiche anstellen kann, und genau das ist bis heute passiert – zuletzt wurden die Gesichter der beiden für eine Ausstellung rekonstruiert.
Besonders spannend wird es bei den Grabbeigaben, die weit über bloßen Schmuck hinausgehen: ein fein poliertes, etwa 20 Zentimeter langes Knochenwerkzeug mit geschnitztem Tierkopf, eine kleine Flachplastik aus Geweih, die wohl einen Elch darstellt, und ein bearbeiteter Knochen, der ursprünglich als unbearbeitet galt. Lange hielt man die Elch-Schnitzerei für eine typische Pferdekopf-Darstellung aus Südwestfrankreich und datierte den Fund deshalb in eine spätere Epoche, bis Radiokarbonmessungen das klar widerlegten. Auch die Tierknochen wurden erst Jahrzehnte später gründlich ausgewertet und zeigten unter anderem Reste eines Hundes, was ihn zu einem der frühesten Belege für domestizierte Hunde überhaupt macht. Genanalysen an diesem Hund stützen inzwischen die These, dass der Wolf irgendwo im eiszeitlichen Europa gezähmt wurde.
Spätere Forschung hat vieles ergänzt, aber auch offene Fragen hinterlassen: DNA-Untersuchungen zeigten etwa, dass Mann und Frau nicht eng verwandt waren, und Isotopenanalysen verraten, dass beide als Kinder in unterschiedlichen Gegenden aufgewachsen sind und sich überwiegend von Fleisch, aber auch von Fisch und Muscheln ernährten. Der Mann hatte einen verheilten Armbruch und eine Kopfverletzung hinter sich, deren Ursache – Unfall, Schlag oder Geschoss – bis heute ungeklärt bleibt. Ebenso unklar ist, warum die beiden gemeinsam bestattet wurden und wie sie ursprünglich im Grab lagen, da die genaue Fundsituation nicht mehr rekonstruierbar ist. Heute liegen die Skelette und Beigaben im Bonner Landesmuseum, während am früheren Steinbruch nur noch eine kleine Gedenktafel an die Entdeckung erinnert.
Die Skelette sind zwischen 13.300 und 14.000 Jahre alt – nur ein Fund aus der bayerischen Klausenhöhle ist in Deutschland noch älter.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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