Morgenwunder

Natur & Lebewesen

Der größte Vogel aller Zeiten tappte fast blind durch die Nacht

Die Elefantenvögel waren eine Familie riesiger, flugunfähiger Vögel, die ausschließlich auf Madagaskar lebten und vor einigen Jahrhunderten ausstarben. Mit zwei Gattungen, dem massigen Aepyornis und dem schlankeren Mullerornis, zählen sie zu den größten Vögeln, die je existiert haben – manche Exemplare brachten weit über 500 Kilogramm auf die Waage. Äußerlich erinnerten sie an Strauße, waren aber kräftiger gebaut, mit verkümmerten Flügeln, langem Hals und kleinem Kopf. Besonders bekannt sind ihre gewaltigen Eier, die teils über zehn Kilo wogen und so groß wie sechs Straußeneier waren. Untersuchungen ihrer Gehirnstruktur deuten darauf hin, dass sie eher nachtaktiv waren, schlecht sahen, dafür aber gut rochen, ähnlich wie ihre nächsten lebenden Verwandten, die neuseeländischen Kiwis.

Wie genau die Vögel lebten, bleibt größtenteils Spekulation, weil direkte Beobachtungen fehlen. Vermutlich ernährten sie sich überwiegend pflanzlich, was Isotopenanalysen an Eierschalen nahelegen, wobei sich die beiden Gattungen offenbar unterschiedliche ökologische Nischen teilten. Ihre Beine waren nicht auf schnelles Laufen ausgelegt, anders als bei heutigen Straußen, was auf ein eher gemächliches Leben in dichten Wäldern hindeutet. Über ihre Fortpflanzung weiß man wenig, doch Knochenanalysen zeigen ein auffällig langsames, über Jahre gestrecktes Wachstum der Jungtiere, vergleichbar mit den ebenfalls ausgestorbenen neuseeländischen Moas. Die genetischen Daten reichen bis ins Paläogen zurück, doch fossile Belege aus dieser frühen Zeit fehlen komplett, sodass die eigentliche Herkunft der Gruppe im Dunkeln bleibt.

Entdeckt wurden die Vögel erst ab den 1830er-Jahren über ihre riesigen Eier, die Einheimische als Gefäße nutzten, bevor 1851 die erste wissenschaftliche Beschreibung folgte. Manche vermuten, dass schon Marco Polo mit seiner Legende vom Riesenvogel Roch auf sie anspielte, auch wenn das in der Forschung umstritten ist. Ihr endgültiges Aussterben, vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert, wird meist mit der menschlichen Besiedlung Madagaskars in Verbindung gebracht – durch Bejagung, das Sammeln der Eier als Nahrung und große Waldrodungen, auch wenn der genaue Zeitpunkt und Ablauf ungeklärt bleiben. Die spektakulären Eierfunde lösten im 19. Jahrhundert ein regelrechtes Sammlerfieber aus und wurden sogar in einer großen Pariser Ausstellung gezeigt, die auch kolonialen Interessen Frankreichs diente. Bis heute ist die genaue Systematik der Gruppe umstritten, zuletzt wurde eine vermeintlich dritte Gattung namens Vorombe wieder verworfen, weil sie sich genetisch als identisch mit Aepyornis erwies.

Marco Polos Erzählungen vom Riesenvogel Roch werden teils mit den Elefantenvögeln in Verbindung gebracht – wissenschaftlich beschrieben wurde die Gattung Aepyornis aber erst 1851.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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