Morgenwunder

Kunst & Architektur

1200 Jahre ohne Bischof – und trotzdem hieß er immer Dom

Der Erfurter Dom ist die älteste und wichtigste Kirche der Stadt, über 81 Meter hoch und trägt mit der Gloriosa die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke überhaupt. Seine Wurzeln reichen bis zu Bonifatius zurück, der im 8. Jahrhundert hier kurzzeitig ein Bistum gründete, das aber schon wenige Jahrzehnte später wieder im Bistum Mainz aufging. Erst 1994, nach der Wiedervereinigung, wurde die Kirche erneut zur Bischofskirche, diesmal des neu geschaffenen Bistums Erfurt. Dazwischen lag fast das gesamte Mittelalter, in dem der Bau als Stiftskirche mit eigenem Domkapitel diente.

Der heutige Bau entstand in mehreren Schüben: Ab 1154 wuchs eine spätromanische Basilika, von der noch die Turmunterbauten und Teile des Querhauses stehen, während die oberen Turmgeschosse erst im 13. Jahrhundert fertig wurden. Weil das Domkapitel stetig wuchs und zeitweise an die 300 Kleriker am Gottesdienst teilnahmen, musste der Chor mehrfach vergrößert werden, zuletzt im 14. Jahrhundert zu dem noch heute bestehenden Hohen Chor mit seinem fast vollständig erhaltenen spätgotischen Glasfensterzyklus. Dafür wurde der Domhügel künstlich erweitert, auf gewaltigen Unterbauten, den sogenannten Kavaten, in denen eine Unterkirche für Prozessionen entstand. Ab 1455 ersetzte man schließlich auch das romanische Langhaus durch eine spätgotische Hallenkirche, während ein Hochaltar aus der Barockzeit und ein fast vollständig erhaltenes mittelalterliches Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert die Ausstattung bis heute prägen. Das Chorgestühl zeigt neben biblischen Szenen auch eine antijüdische Darstellung, die wohl mit den Pogromen um 1350 in Verbindung steht.

In der Neuzeit erlebte der Dom einige Rückschläge: Im Dreißigjährigen Krieg verlor das Mainzer Erzbistum das Interesse an Erhaltungsarbeiten, Napoleons Truppen nutzten das Gebäude zeitweise als Pferdestall, und 1803 wurde das Domstift im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Preußische Restaurierungen um 1900 veränderten unter anderem die Dachform. Im Zweiten Weltkrieg blieb der Dom zwar von direkten Bombentreffern verschont, Dach, Fenster und Türme wurden aber durch nahe Detonationen beschädigt, während die kostbaren mittelalterlichen Chorfenster rechtzeitig ausgelagert worden waren. Nach dem Krieg folgten jahrzehntelange Restaurierungen, bei denen etwa 1968 das Dach wieder dem spätgotischen Erscheinungsbild angeglichen wurde, und bis heute kämpft man mit Schäden an Fenstern und Fassade, zuletzt am sanierungsbedürftigen Hauptportal.

Die Gloriosa im Erfurter Dom ist bis heute die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt – der Bau selbst misst 81,26 Meter.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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