Morgenwunder

Erde & Orte

73 Einwohner, eigener Haushalt – mitfinanziert von der Jagdpacht

Ersfeld ist mit nur 73 Einwohnern eines der kleinsten Dörfer im Landkreis Altenkirchen, mitten im Westerwald gelegen, erstmals 1411 urkundlich erwähnt, aber vermutlich schon im frühen Mittelalter entstanden. Woher der Name eigentlich kommt, weiß bis heute niemand genau – mal wird er von „erstes Feld“ abgeleitet, mal von einem rätselhaften alten Stollen, mal von einem altdeutschen Wort für „hinten gelegen“, das eigentlich „Arsch“ bedeutet. Der Ort liegt abseits der Durchgangsstraßen in einem kleinen Tal, besitzt keine eigene Kirche und gehörte stattdessen immer zur Pfarrei im Nachbardorf Mehren. Trotz seiner geringen Größe hat sich Ersfeld jeder Eingemeindung widersetzt und bis heute eine eigene, wenn auch sehr kleine Gemeindeverwaltung bewahrt.

Die Geschichte des Dorfes ist vor allem eine Geschichte von Armut, Kriegen und harter Waldarbeit. Über Jahrhunderte zogen fremde Truppen durch, plünderten Vieh, Vorräte und Geld – egal ob Freund oder Feind, von den Soldaten des Dreißigjährigen Krieges bis zu napoleonischen und später französischen Truppen. Besonders eindrücklich ist die Hungersnot von 1846, die den jungen Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen dazu brachte, Brot und Saatgut zu verteilen und den Bau einer Straße anzustoßen, die die abgelegenen Dörfer an die Wirtschaft anband. Ein Protokollbuch, das er selbst 1845 anlegte, dokumentiert seither lückenlos die Gemeinderatssitzungen und erzählt von Inflationsjahren, Stromausbau, zugewiesenen Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg und den zähen Nachkriegsjahren unter französischer Besatzung. Bis in die 1980er Jahre lebten die meisten Familien von kleinen Höfen, bevor die Landwirtschaft fast vollständig verschwand und Ersfeld zu einer reinen Wohngemeinde wurde, deren Bewohner heute meist auswärts arbeiten.

Heute prägen Fachwerkhäuser, ein kleiner Bach namens Peschbach und alte Eichen- und Buchenbestände das Ortsbild, dazu ein denkmalgeschütztes Wohnstallhaus mit einem geheimnisvollen, etwa 120 Meter langen Stollen darunter, dessen ursprünglicher Zweck nie ganz geklärt wurde. Wanderwege wie der Westerwald-Steig und die Westerwaldschleife führen durch die Gemarkung, in der auch Rotmilane, Graureiher und gelegentlich Schwarzstörche zu beobachten sind. Ein eigenes Ortswappen seit 2007 verweist mit Eiche, Wellenlinie und Löwe auf Baumbestand, Bach und die einstigen Grafen von Sayn. Weil es nie eine eigene Schule gab, gingen die Kinder jahrhundertelang ins Nachbardorf, erst zu wandernden Dingschullehrern, dann in die Kirchspielschule, heute in weiterführende Schulen der Umgebung. Geblieben ist ein Dorf, das sich trotz schwacher Busanbindung und fehlender Infrastruktur seine eigenständige kleine Gemeindeordnung bewahrt hat.

Geplündert wurde Ersfeld über die Jahrhunderte von Freund und Feind gleichermaßen – einquartierte Soldaten nahmen sich, was sie brauchten, unabhängig davon, für wen sie kämpften.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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