Morgenwunder

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Brecht wurde berühmt für Ideen, die ein anderer erfand

Erwin Piscator war ein deutscher Regisseur, der in der Weimarer Republik das Theater radikal politisierte, indem er Filmprojektionen, Laufbänder und Fahrstühle einsetzte, um Bühnenstücke zu einem gesellschaftlichen Kommentar zu machen. Geprägt von seinen traumatischen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg, wandte er sich früh dem Pazifismus und Kommunismus zu und entwickelte an der Berliner Volksbühne einen aufsehenerregenden, umstrittenen Inszenierungsstil, etwa mit seiner „Räuber“-Fassung, in der ein Schiller-Bösewicht als bolschewistischer Held erschien. Nach einem Zerwürfnis gründete er seine eigene Bühne am Nollendorfplatz, an der er mit einem großen Team aus Autoren, Bühnenbildnern und Musikern wie Brecht, Grosz und Eisler arbeitete, doch die aufwendigen Produktionen führten trotz künstlerischen Erfolgs immer wieder in finanzielle Nöte.

Nach dem Ende seiner Berliner Bühne begann für Piscator eine lange, von Brüchen geprägte Emigration: In der Sowjetunion drehte er seinen einzigen Spielfilm, geriet aber unter Beobachtung der Geheimpolizei und wurde von anderen Emigranten denunziert, sodass er nach Frankreich weiterzog. Dort heiratete er erneut und arbeitete an einer Bühnenfassung von „Krieg und Frieden“, bevor er in die USA emigrierte und dort eine Schauspielschule leitete, an der später bekannte Namen wie Marlon Brando oder Tennessee Williams lernten. Als ihn in der McCarthy-Ära eine Vorladung wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe erreichte, kehrte er abrupt nach Deutschland zurück, wo er sich zunächst mühsam als Gastregisseur durchschlug, ehe ihm mit seiner „Krieg und Frieden“-Inszenierung ein publikumswirksames, wenn auch von der Presse verrissenes Comeback gelang.

Als Intendant der Freien Volksbühne in West-Berlin fand Piscator in den 1960er Jahren noch einmal zu großer Wirkung, indem er sich der verdrängten NS-Vergangenheit widmete: Mit den Uraufführungen von Hochhuths „Der Stellvertreter“, das die Rolle des Papstes im Holocaust anprangerte, und Peter Weiss’ Auschwitz-Stück „Die Ermittlung“ löste er internationale Debatten aus und wurde zu einem Wegbereiter des dokumentarischen Erinnerungstheaters. Seine letzte Inszenierung dagegen scheiterte, und kurz danach starb er nach einer Operation. Bis heute gilt er als Wegbereiter zahlreicher bühnentechnischer Neuerungen und kollektiver Arbeitsweisen, sein unrealisiertes „Totaltheater“-Projekt mit Walter Gropius blieb dabei eine unvollendete Vision, und mehrere Preise, Plätze und Säle erinnern noch heute an ihn.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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