Morgenwunder

Erfindungen & Technik · Musik, Film & Literatur

Die meistkopierte Gitarre der Welt kopiert Fender inzwischen selbst

Die Fender Stratocaster ist seit 1954 die wohl bekannteste E-Gitarre überhaupt, meistverkauft und meistkopiert, und wird bis heute parallel zu ihrer älteren Schwester, der Telecaster, produziert. Leo Fender entwickelte sie als Antwort auf Kritik von Musikern, die sich von der Telecaster mehr Komfort, Klangvielfalt und ein funktionierendes Vibrato wünschten, und ließ sich dabei vom geschwungenen Design der Autoindustrie der Fünfziger inspirieren. Besonders die Brücke bereitete Kopfzerbrechen: Ein erster Prototyp mit Rollensätteln klang laut einem Testspieler wie ein billiges Banjo in einer Blechtonne, weshalb Fender eine neue, auf dem Prinzip der Balkenwaage beruhende Konstruktion entwickeln musste, die die Markteinführung um ein Jahr verzögerte. Trotz des großen Aufsehens verdrängte die neue Gitarre die Telecaster zunächst nicht, sondern wuchs erst über Jahrzehnte zum Verkaufsschlager heran.

Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich die Stratocaster in unzähligen Details, besonders unter der Konzernmutter CBS, die das Unternehmen ab 1965 führte und bei der Produktion vor allem auf Kosteneinsparung setzte. Das brachte spürbare Qualitätseinbußen mit sich, etwa pfeifende Tonabnehmer, weil auf ein wichtiges Wachsbad verzichtet wurde, oder Hälse, die sich durch ungenaue Fräsungen lockerten. Erst nach dem Verkauf an eine neue Investorengruppe 1985 und dem Umzug in neue Fabrikräume besserte sich die Lage, und bis heute bietet Fender neben modernen Modellen auch originalgetreue Nachbauten älterer Baureihen an, teils sogar künstlich gealtert, um wie ein jahrzehntealtes Sammlerstück auszusehen. Daneben entstanden zahlreiche Signature-Modelle für Gitarristen wie Eric Clapton oder Jeff Beck, und einzelne Originalinstrumente, etwa die von Jimi Hendrix in Woodstock gespielte oder Claptons „Blackie“, erzielen bei Auktionen inzwischen Preise im sechs- bis siebenstelligen Bereich.

Klanglich gilt die Strat als hell, gläsern und durchsetzungsfähig, was sie von Beginn an bei Country- und Surfmusikern beliebt machte, bevor Jimi Hendrix ihr mit Verzerrung, Feedback und exzessivem Einsatz des Vibratohebels völlig neue Klangwelten entlockte. Spätere Stile von Funk bis Hardrock nutzten das Instrument auf ihre eigene Weise, und sein unverwechselbares Design beeinflusste nicht nur den gesamten E-Gitarrenbau, sondern wurde auch zu einem visuellen Symbol des Rock ’n’ Roll. Weil die Form so oft kopiert wurde, versuchte Fender wiederholt, sie markenrechtlich schützen zu lassen, scheiterte damit aber 2009 in den USA, da ein Gericht sie als generisch einstufte. Jüngst sorgte dagegen ein Urteil eines deutschen Landgerichts für Aufsehen, das die Korpusform als urheberrechtlich geschütztes Werk angewandter Kunst anerkannte und einem chinesischen Nachbauhersteller Herstellung und Verkauf in der EU untersagte. Der Streit weitete sich inzwischen aus, da Fender auch den großen Musikhändler Thomann wegen dessen Eigenmarke verklagte, während unklar bleibt, welche Folgen das für den gesamten Markt ähnlicher Gitarren haben wird.

Fender vertreibt angepasste Stratocaster-Versionen unter der eigenen Zweitmarke Squier – und konkurriert damit auch mit sich selbst.

Den ganzen Artikel „Fender Stratocaster“ auf Wikipedia lesen

Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

Jeden Morgen einer.

Ein Wikipedia-Artikel pro Tag, zu deiner Uhrzeit, aus den Themen, die du willst. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

Anmelden