Körper & Medizin
Genau die Flüssigkeit, die das Kind schützt, tötet die Mutter
Eine Fruchtwasserembolie ist einer der gefürchtetsten Notfälle in der Geburtshilfe: Fruchtwasser gelangt während der Geburt über die Gebärmutter in den Blutkreislauf der Mutter, verstopft Lungengefäße und bringt die Blutgerinnung durcheinander. Das Ereignis ist extrem selten, verläuft aber oft dramatisch und endet häufig tödlich, auch für überlebende Mütter und Kinder bleiben nicht selten Hirnschäden zurück. Wie häufig es wirklich vorkommt, lässt sich kaum sagen, weil eine sichere Diagnose zu Lebzeiten praktisch unmöglich ist – die Zahlen schwanken deshalb enorm. Meist passiert es während der Geburt selbst oder kurz danach, in Ausnahmefällen aber auch bei Fehlgeburten, Fruchtwasserpunktionen oder nach stumpfer Gewalt gegen den Bauch.
Warum es überhaupt dazu kommt, ist bis heute nicht vollständig verstanden. Vermutet werden gleich mehrere ineinandergreifende Mechanismen: eine mechanische Verlegung der Lungengefäße durch feste Bestandteile des Fruchtwassers, eine Freisetzung von Botenstoffen, die die Lungengefäße verengen und das Herz überlasten, eine überschießende, im ganzen Körper ablaufende Gerinnungsreaktion, die zu schweren Blutungen führt, und zusätzlich eine allergieartige Reaktion auf kindliche Antigene. Bestimmte Umstände wie ein Dammriss, vorzeitige Plazentalösung, hoher Druck in der Gebärmutter oder ein höheres Alter der Mutter erhöhen offenbar das Risiko, gelten aber nicht als eigentliche Ursache. Vorhersehen oder verhindern lässt sich das Geschehen nicht. Der Verlauf gliedert sich typischerweise in eine akute Schockphase mit Atemnot und Krämpfen, gefolgt von einer zweiten Phase mit schweren Blutungen und mitunter Organversagen.
Behandeln lässt sich nur das Symptombild, nicht die Ursache selbst: Beatmung, Kreislaufunterstützung und Medikamente gegen die Gerinnungsstörung sollen die Mutter stabilisieren, und wenn das Kind in Gefahr gerät, wird notfalls sofort per Kaiserschnitt entbunden, selbst wenn die Mutter kaum noch Kreislauf zeigt. Die Prognose bleibt trotzdem schlecht, mit hoher Sterblichkeit und häufigen bleibenden neurologischen Schäden bei den Überlebenden. Historisch wurde das Phänomen erstmals Ende des 19. Jahrhunderts bei Autopsien beobachtet und erst in den 1920er und 1940er Jahren als eigenständige Erkrankung erkannt und benannt. Heute sammeln eigene Register in den USA und Großbritannien Fälle, um wenigstens etwas mehr über diese seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation zu erfahren.
Die Erkrankung trägt auch den Namen Steiner-Lushbaugh-Syndrom – nach den beiden Forschern, die sie 1941 als eigenständiges Krankheitsbild abgrenzten. Vorbeugende Maßnahmen sind bis heute keine bekannt.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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