Morgenwunder

Natur & Lebewesen

Diese Spinne spielt Ameise, damit sie keiner frisst

Der Gewöhnliche Ameisenvagabund ist eine winzige, nur wenige Millimeter große Spinne aus der Familie der Ameisensackspinnen, die ursprünglich in weiten Teilen Eurasiens vorkam und inzwischen auch in Kanada eingeschleppt wurde. Sie lebt sowohl in trockenen als auch feuchten Lebensräumen, von Trockenwiesen über Steinbrüche bis zu Gärten, und gilt in Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Tschechien als ungefährdet. Namensgebend ist ihr auffälliges Verhalten: Durch Bewegung und Färbung ahmt sie Ameisen nach, was man Bates'sche Mimikry nennt, auch wenn sie äußerlich weniger stark an Ameisen erinnert als etwa die bekannteren Ameisenspringer. Weibchen und Männchen unterscheiden sich deutlich in Größe, Farbe und Körperbau, und nur anhand feiner Unterschiede an den Geschlechtsorganen lässt sich die Art zuverlässig von ihren nahen Verwandten unterscheiden.

Als tagaktiver Laufjäger hetzt die Spinne ohne Netz über sonnige Flächen und erbeutet kleine Gliederfüßer wie Springschwänze oder Fliegen, wobei sie gelegentlich sogar Ameisen selbst frisst. Die Paarung verläuft ohne Balzverhalten und dauert im Schnitt mehrere Stunden, wobei sich die Tiere auf offenem Gelände begatten, ohne sich dabei besonders zu schützen. Ein Weibchen legt danach nur wenige Eier in insgesamt zwei Kokons ab, was im Vergleich zu anderen Spinnen sehr wenig ist, vermutlich weil die Art selbst so klein ist. Viele Details zu Entwicklung und Ausbreitung der Jungtiere sind bislang aber kaum erforscht.

Besonders ausführlich beschäftigt sich der Artikel mit dem Sinn der Ameisenimitation: Sie schützt die Spinne vor allem vor Vögeln und anderen visuell jagenden Räubern wie Skinken, da echte Ameisen wegen ihrer Ameisensäure meist gemieden werden, während die wehrlose Spinne selbst keine chemische Abwehr besitzt. Auch Grabwespen, die eigentlich über Geruch jagen, scheinen myrmekomorphe Spinnen seltener zu erbeuten, wobei unklar bleibt, warum das so ist, da sich die chemische Hülle kaum von der nicht nachahmender Spinnen unterscheidet. Interessant ist, dass selbst dieses nur mäßig überzeugende Ameisen-Imitat bei Vögeln ähnlich gut wirkt wie bei stärker angepassten Arten, was auf die größere Jagddistanz der Vögel zurückgeführt wird. Wie wirksam der Schutz gegenüber anderen Fressfeinden tatsächlich ist und welche Sinne dabei genau getäuscht werden, gilt insgesamt noch als offene Forschungsfrage.

Bei der Paarung gibt es kein Balzverhalten. Das Weibchen legt später mehrere Eikokons an – jeweils mit auffällig wenigen Eiern.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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