Morgenwunder

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Erst Napoleons Geliebte, dann die seines Bezwingers

Giuseppina Grassini war um 1800 eine der gefeiertsten Opernsängerinnen Europas, eine Altistin mit kräftiger, beweglicher Stimme und einem schauspielerischen Talent, das Publikum und Komponisten gleichermaßen verzauberte. Als jüngste von achtzehn Kindern eines Buchhalters in Varese aufgewachsen, kam sie über eine kirchliche Gesangsausbildung nach Mailand und debütierte mit sechzehn, wechselte bald vom komischen ins ernste Fach und wurde in Mailand, Venedig und Neapel zum Star. Komponisten wie Zingarelli, Cimarosa und später Paër schrieben Partien eigens für sie, oft an der Seite des Kastraten Crescentini, der zeitweise ihr Lehrer war. In Neapel begann eine Affäre mit einem englischen Prinzen, doch entscheidender wurde die Begegnung mit dem jungen General Napoleon Bonaparte, der sie nach seinem Sieg wie eine Trophäe mit nach Paris nahm.

In Paris lebte sie zunächst in Bonapartes Nähe, verliebte sich aber öffentlich in den Geiger Pierre Rode, was den eifersüchtigen General verärgerte, und verließ die Stadt, nachdem ihr Plan für ein eigenes italienisches Opernhaus gescheitert war. Über die Niederlande und Deutschland gelangte sie nach London, wo sie anfangs gegen die beliebte Elizabeth Billington bestehen musste, sich aber nach einem legendären Bühnenduell durchsetzte und zur gesellschaftlichen Attraktion wurde. 1806, inzwischen Kaiser, holte Napoleon sie als bestbezahlte Hofsängerin zurück nach Paris, verlieh ihr einen Grafentitel und band sie vertraglich an ausschließliche Auftritte bei Hof, während sie nebenbei unauffällig einen italienischen Offizier heiratete, mit dem sie kaum zusammenlebte. Mit Napoleons Vorliebe für jüngere Sängerinnen und dem Ende seiner Herrschaft verblasste ihre höfische Karriere, und sie fand in London später eine neue, öffentlich zur Schau gestellte Liaison mit dessen Gegenspieler, dem Herzog von Wellington. 

Ihre letzten Lebensjahrzehnte verbrachte sie zwischen Italien und Paris, gab Konzerte, unterrichtete jüngere Sängerinnen wie Giuditta Pasta und ihre eigenen Nichten und empfing in Mailand Komponisten wie Rossini und Bellini, bis sie 1850 dort starb und ihr beträchtliches Vermögen vor allem an Familie und Bedienstete vererbte. Zeitgenossen rühmten an ihr das Zusammenspiel von Stimme, Schönheit und darstellerischer Glaubwürdigkeit, auch wenn manche Kritiker ihren späteren Stimmumfang skeptisch beurteilten. Mehrere Schriftsteller verewigten sie literarisch: Thomas De Quincey beschrieb ihren Gesang als rauschhaftes Erlebnis, Achim von Arnim verarbeitete seine Schwärmerei für sie in Gedichten und Erzählungen, und Stendhal stellte sie neben Giuditta Pasta als Maßstab seiner Zeit dar. In diesen Texten verschmolzen erotische Faszination und politische Symbolik, da Grassini zugleich als Geliebte Napoleons und als begehrte Künstlerin wahrgenommen wurde.

Ihr Romeo war kein Tenor, sondern der Kastratensopran Girolamo Crescentini – derselbe Mann, der ihr zeitweise Gesangsunterricht gab.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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