Morgenwunder

Kunst & Architektur

Unfertiges Grab eines kleinen Beamten – und trotzdem überall abgebildet

Das Grab TT52 in der thebanischen Nekropole gehört dem Beamten Nacht und seiner Frau Taui und stammt aus der 18. Dynastie, vermutlich aus der Zeit um Thutmosis IV. Entdeckt wurde es Ende des 19. Jahrhunderts von Dorfbewohnern, bevor der Ägyptologe Norman de Garis Davies es zwischen 1907 und 1910 mit großer künstlerischer Sorgfalt dokumentierte und 1917 in einer aufwendigen Publikation veröffentlichte. Diese Aufzeichnungen sind heute besonders wertvoll, weil die Wandmalereien seither durch Besucher stark gelitten haben und sich in einem viel schlechteren Zustand befinden als zur Zeit der Entdeckung. Über Nacht selbst weiß man wenig mehr, als dass er als Schreiber und Stundenpriester des Amun der mittleren Beamtenschicht angehörte, während Taui als Tempelsängerin des Amun geführt wird.

Das kleine, nie ganz fertiggestellte Felsgrab besteht aus einer zugänglichen oberirdischen Kultanlage und einer verschlossenen unterirdischen Grabkammer, wobei nur der erste, vordere Raum wirklich reich bemalt wurde. Bei der Untersuchung der Kammer fand man eine bemalte Kniefigur des Nacht, die aber auf dem Transport nach New York 1915 mit dem torpedierten Dampfer Arabic für immer verloren ging; von der übrigen Ausstattung blieben nur spärliche, von Grabräubern geplünderte Reste übrig. Die Malereien selbst entstanden in einem aufwendigen Verfahren aus mehreren Verputz- und Grundierungsschichten, Hilfslinien und Quadratnetzen, aufgetragen von einem einzelnen, offenbar sehr geschickten Maler, der teure Pigmente wie Ägyptisch Blau großzügig einsetzte und gern Details wie individuelle Gesichter oder Körperhaltungen einstreute. Dass die Arbeiten unvollendet blieben, wird damit erklärt, dass Nacht wohl während der Bauzeit verstarb.

Inhaltlich zeigen die Wände die für thebanische Beamtengräber typischen Motive: Opferszenen des Ehepaares vor den Göttern, landwirtschaftliche Arbeiten auf Nachts Feldern, eine Scheintür als Verbindung zur Totenwelt, sowie Jagd-, Weinlese- und Vogelfangszenen im mythisch aufgeladenen Papyrusdickicht. Besonders berühmt ist die Darstellung des „Schönen Festes vom Wüstental“, bei dem Musikerinnen, feiernde Angehörige und die oft abgebildete, einen Fisch fressende Katze unter dem Stuhl des Paares zu den bekanntesten Bilddetails der gesamten thebanischen Grabmalerei zählen. Kleidung und Frisuren der dargestellten Frauen helfen dabei, das Grab stilistisch in die Zeit Thutmosis IV. einzuordnen. Trotz der lückenhaften Ausführung gilt das Bildprogramm als eines der farbenprächtigsten Beispiele seiner Art in der thebanischen Nekropole.

Das Grab wurde 1889 wiederentdeckt und war nie vollendet – von der Ausstattung ist heute nur wenig übrig, den ursprünglichen Zustand der Malereien kennt man fast nur noch aus der archäologischen Dokumentation.

Den ganzen Artikel „Grab des Nacht (TT52)“ auf Wikipedia lesen

Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

Jeden Morgen einer.

Ein Wikipedia-Artikel pro Tag, zu deiner Uhrzeit, aus den Themen, die du willst. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

Anmelden