Natur & Lebewesen
Ihre Beliebtheit ist genau das, was sie ausrottet
Die Griechische Landschildkröte lebt rund um das europäische Mittelmeer, von Spanien bis in die Türkei, und wird in zwei Unterarten unterteilt, die sich vor allem an Panzerfärbung und -zeichnung unterscheiden. Mit ihrem oval gewölbten Panzer und dem für die Art typischen Hornnagel am Schwanzende wird sie meist etwa 20 Zentimeter groß, kann aber je nach Population deutlich kleiner oder größer ausfallen. Als wechselwarmes Tier ist sie auf Sonnenwärme angewiesen und verbringt ihren Tag damit, zwischen Schatten und Sonnenplätzen zu wechseln, während sie sich überwiegend von Wildkräutern ernährt und im Winter mehrere Monate in Erdlöchern verharrt. Gerade weil ihr Stoffwechsel so stark heruntergefahren werden kann, erreichen manche Tiere ein Alter von über hundert Jahren, auch wenn das in freier Wildbahn die große Ausnahme bleibt.
Ihr Fortpflanzungsverhalten wirkt auf uns ziemlich brutal: Männchen verfolgen und beißen die Weibchen, um sie zur Paarung zu bewegen, was besonders bei einer Unterart zu ernsthaften Verletzungen führen kann und mit ein Grund dafür ist, dass Weibchen im Schnitt kürzer leben als Männchen. Das Geschlecht der Jungtiere wird nicht genetisch festgelegt, sondern hängt von der Temperatur ab, bei der die Eier im Sand ausgebrütet werden, und die meisten Gelege fallen ohnehin Nesträubern zum Opfer. Jungtiere wachsen in den ersten Jahren recht gleichmäßig, bevor sich das Wachstum mit Eintritt der Geschlechtsreife verlangsamt, die je nach Population erst nach sechs bis sechzehn Jahren einsetzt. Wie schnell eine Population wächst oder schrumpft, hängt stark davon ab, wie viel intakten Lebensraum sie noch zur Verfügung hat.
Genau dieser Lebensraum schwindet seit Jahrzehnten durch Landwirtschaft, Bauprojekte, Überweidung und Flächenbrände, sodass die Art inzwischen als gefährdet gilt und manche Bestände ohne Gegenmaßnahmen binnen hundert Jahren fast verschwunden sein könnten. Früher wurde zusätzlich massenhaft für den europäischen Haustiermarkt gesammelt, bis internationale Artenschutzabkommen und EU-Recht Handel und Einfuhr von Wildfängen weitgehend unterbanden. Heute kümmern sich mehrere, teils private Schutzprojekte in den Herkunftsländern um Lebensraumerhalt und Wiederansiedlung, auch wenn einzelne davon in der Fachwelt umstritten sind. Wer die Tiere als Haustier hält, braucht ein großzügiges Freigehege mit viel Sonne statt eines Terrariums, eine an Wildkräutern orientierte Ernährung und eine sorgfältig kontrollierte Winterstarre, denn in Deutschland werden inzwischen jährlich tausende Nachzuchten erfolgreich aufgezogen.
Nur drei Landschildkrötenarten der Gattung Testudo leben im europäischen Mittelmeerraum – und diese eine davon kann ein Alter erreichen, das mit dem eines Menschen vergleichbar ist.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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