Natur & Lebewesen
Ein Felsbewohner, der vor 250 Jahren in unsere Städte zog
Der Hausrotschwanz ist ein kleiner, schlanker Singvogel mit rostorangem Schwanz, der ursprünglich reiner Gebirgsbewohner war, sich aber seit rund 250 Jahren auch im Tiefland und mitten in Siedlungen ansiedelt – heute leben in Europa etwa 90 Prozent der Bestände in der Nähe von Menschen. Männchen sind schiefergrau bis schwarz mit auffälligem weißem Flügelfleck, Weibchen und viele einjährige Männchen dagegen unscheinbar graubraun, weil die Art eine verzögerte Gefiederreifung zeigt; ein Teil der Jungmännchen trägt aber schon ein fortschrittlicheres, dem Altvogel ähnlicheres Kleid. Sein Gesang ist an dem kratzenden Mittelteil erkennbar, und er gehört zu den ersten Vögeln, die morgens singen, manchmal schon eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang und bis in die Abenddämmerung hinein. Als Wartenjäger lauert er meist von erhöhten Punkten auf Insekten und andere Kleintiere am Boden und stürzt sich gezielt auf sie, gelegentlich fängt er Beute auch im Rüttelflug.
Als Kurzstreckenzieher verbringt der Hausrotschwanz den Winter überwiegend im Mittelmeerraum, wobei die Vögel spät abziehen und früh zurückkehren; manche Populationen in Zentralasien und im Himalaya legen dagegen viel weitere Strecken zurück. Bei der Fortpflanzung ist er als Nischenbrüter sehr anpassungsfähig und nistet notfalls auch an lärmenden oder ungewöhnlichen Orten wie einem laufenden Generator; das Weibchen baut das Nest allein und bebrütet meist fünf Eier etwa zwei Wochen lang. Nestverluste sind gering, doch Kälteeinbrüche im Gebirge, der Kuckuck als Brutschmarotzer sowie Fressfeinde wie der Sperber setzen den Vögeln zu, während sie im Siedlungsraum auffällig selten Verkehrsopfer werden. Die meisten Vögel erreichen nur ein geringes Alter, nur wenige Prozent werden fünf Jahre oder älter, der bisherige Rekord liegt bei zehn Jahren.
Stammesgeschichtlich zählt der Hausrotschwanz heute zu den Fliegenschnäppern statt, wie früher angenommen, zu den Drosseln, und sein nächster Verwandter dürfte der tibetische Feldrotschwanz sein; zum ähnlich gefärbten Gartenrotschwanz besteht trotz gelegentlicher fruchtbarer Mischlinge keine besonders enge Verwandtschaft. Insgesamt werden fünf bis sieben Unterarten unterschieden, die sich vor allem in der Männchenfärbung unterscheiden und sich von grauen westlichen bis zu rotbraunen östlichen Formen erstrecken, die schon an den Gartenrotschwanz erinnern. Im deutschsprachigen Raum trägt der Vogel viele volkstümliche Namen wie Brantele oder Wackelarsch, die sich auf seine dunkle Färbung oder das ständige Schwanzzittern beziehen, und er ist vielerorts mit Volksglauben verknüpft, etwa als Glücksbringer oder vermeintlicher Schutz vor Feuer. Der Bestand gilt derzeit als ungefährdet und ist in den letzten Jahrzehnten in Europa stabil bis wachsend, weshalb er in Deutschland 2025 zum Vogel des Jahres gewählt wurde.
Sein Gesang hat in der Mitte ein Element, das eher nach Kratzen oder Knistern klingt als nach Vogelstimme – und er ist einer der ersten, die morgens damit anfangen.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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