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Drei seiner Geschwister wurden abgerissen, eins wurde Wahrzeichen

Das Holstentor in Lübeck kennst du vermutlich als Postkartenmotiv, aber dass es eigentlich nur das mittlere von einst vier Holstentoren war, ist schon weniger bekannt. Die drei anderen – das Innere, das Äußere und ein Zweites Äußeres Tor – wurden im 19. Jahrhundert abgerissen, meist um Platz für Eisenbahn und Stadtentwicklung zu schaffen, während ausgerechnet das heute berühmte spätgotische Tor von 1478 übrig blieb. Gebaut wurde es auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, der sich schon während der Bauzeit als zu weich erwies, sodass der Südturm absackte und das Bauwerk über Jahrhunderte immer weiter einsank und sich neigte. Erst eine hitzig geführte Debatte in den 1850er und 1860er Jahren, bei der die Lübecker Bürgerschaft nur mit einer einzigen Stimme Mehrheit gegen den Abriss stimmte, rettete das Tor und leitete eine große Restaurierung ein, nach der es vom lästigen Ruinenrest zum Wahrzeichen der Stadt wurde.

Architektonisch zeigt das Tor zwei völlig unterschiedliche Gesichter: Die Stadtseite ist mit Fenstern und Terrakottaschmuck reich verziert, während die Feldseite mit dicken Mauern, Schießscharten und Geschützkammern ganz auf Verteidigung ausgelegt war, bis hin zu Fensteröffnungen über dem Durchgang, durch die man Angreifer mit Pech oder kochendem Wasser übergießen konnte. Die beiden Terrakottabänder mit ihren Lilien-, Gitter- und Distelmotiven stammen gar nicht mehr original aus dem Mittelalter, sondern wurden bei der Restaurierung im 19. Jahrhundert mit einiger künstlerischer Freiheit neu gestaltet, ebenso wie der Giebel, dessen ursprüngliches Aussehen schlicht nicht überliefert war. Im Inneren finden sich auch skurrile Details wie das vermutlich älteste eindeutig datierbare Buddelschiff der Welt, gefertigt 1784 von einem gewissen Georg Biondi. Weitere technische Eingriffe, etwa 1934 eingebaute Stahlbetonanker gegen die fortschreitende Neigung, haben das Bauwerk zwar gesichert, aber auch an einigen Stellen von seinem ursprünglichen Zustand entfernt.

Seine Geschichte als Museum ist ebenfalls wechselhaft: Die Nationalsozialisten richteten darin eine ideologisch gefärbte „Ruhmes- und Ehrenhalle“ ein, seit 1950 dient das Tor als Stadtgeschichtliches Museum, das 2002 von Grund auf modernisiert wurde, wobei man unter anderem eine historisch nie belegte Folterkammer entfernte. Bei der jüngsten Restaurierung 2005/2006 sorgte zudem der Diebstahl eines noch aus der NS-Zeit stammenden Hakenkreuzes für Aufsehen, das als letztes seiner Art an einem öffentlichen Gebäude in Deutschland galt. Über die Jahrzehnte ist das Holstentor längst zum Symbol weit über Lübeck hinaus geworden: Es ziert Firmenlogos, alte D-Mark-Banknoten, Briefmarken und sogar eine deutsche 2-Euro-Münze, und auch Andy Warhol hat es einmal in Pink gemalt. Im Freizeitpark Hansa-Park gibt es sogar einen verkleinerten Nachbau als Eingangstor für Besucher.

Von der gesamten Lübecker Stadtbefestigung sind nur noch zwei Tore erhalten: das Holstentor und das Burgtor. Seit 1950 steckt im Holstentor das Stadtgeschichtliche Museum.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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