Morgenwunder

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Die Post ist seit 1984 weg – die Schiffe fahren trotzdem

Die Hurtigruten ist die traditionsreiche norwegische Küstenschifflinie, die seit 1893 Bergen im Süden mit Kirkenes im hohen Norden verbindet und dabei die über 2700 Kilometer lange, zerklüftete Westküste erschließt. Entstanden ist sie, weil der dünn besiedelte Norden Norwegens vom Süden fast abgeschnitten war und vor allem im Winter kaum erreichbar blieb; Kapitän Richard With bewies mit seiner nächtlichen Fahrt durch die Dunkelheit, dass eine ganzjährige, verlässliche Verbindung möglich war, und machte damit staatliche Subventionen überhaupt erst möglich. Aus anfangs drei getrennten Linien wurde 1936 eine durchgehende Route, der eigentliche Postverkehr wurde aber schon 1984 eingestellt, obwohl die Schiffe die Postflagge bis heute führen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Flotte schwere Verluste, von vierzehn Schiffen blieben nur drei übrig, und erst ein staatliches Neubauprogramm sorgte in den Fünfzigerjahren für neue, eigens entwickelte Schiffstypen.

Mit der wachsenden Konkurrenz durch Straßen und Flugverbindungen verlor die Linie ab den Siebzigerjahren ihre alte Funktion als reines Transportmittel für Fracht und Distanzreisende, sodass sich die Reedereien zunehmend auf Komfort und Tourismus verlegten, bis Ende der Achtzigerjahre sogar eine Einstellung diskutiert wurde. Seitdem haben immer neuere, geräumigere Schiffsgenerationen mit Suiten, Panoramasalons und Wellnessbereichen die alten Mehrbettkabinen abgelöst, während gleichzeitig moderne Ladetechnik den Fracht- und Autotransport effizienter machte. Nach Jahrzehnten mit nur einer Reederei, zuletzt dem aus mehreren Fusionen hervorgegangenen Unternehmen Hurtigruten AS, wurde die Strecke ab 2021 neu ausgeschrieben, und mit Havila Kystruten kam ein zweiter Betreiber hinzu. Dauerhafte Subventionen des norwegischen Staates sorgten dabei für Streit mit der EFTA, die Teile der Zahlungen für unzulässig erklärte. Aktuell liefern sich beide Reedereien zudem einen Wettbewerb um möglichst klimafreundliche Antriebe mit Biokraftstoffen, weil davon die Lizenzvergabe ab 2030 abhängt.

Heute legen die Schiffe eine Rundreise von Bergen nach Kirkenes und zurück in elfeinhalb Tagen zurück, laufen dabei über dreißig Häfen an und sind für die Bewohner im Norden noch immer ein fester Bestandteil des Alltags, von Arztbesuchen bis zum gemeinsamen Kaffeetrinken an Bord während der kurzen Liegezeiten. Die Passagierzahlen haben sich bei rund 450.000 pro Jahr eingependelt, wobei heute etwa siebzig Prozent auf Touristen entfallen statt wie früher fast ausschließlich auf Einheimische. Die Geschichte der Route ist auch von schweren Unglücken geprägt, besonders während der deutschen Besetzung, als zehn Schiffe verloren gingen und hunderte Menschen starben, aber auch danach kam es vereinzelt zu Havarien und Bränden mit Todesopfern. Seit dem Untergang der Sanct Svithun 1962 ist jedoch kein Schiff mehr vollständig verloren gegangen, was auf bessere Navigation, geschultes Personal und regelmäßige Seenotübungen zurückgeführt wird.

Für die Strecke hin und zurück brauchen die Schiffe elfeinhalb Tage – seit 2021 teilen sich zwei konkurrierende Reedereien den Betrieb der traditionsreichen Route.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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