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Romanes ist mit Hindi verwandt, nicht mit dem Deutschen
Die indoarischen Sprachen bilden einen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und werden heute von rund einer Milliarde Menschen gesprochen, vor allem in Nord- und Zentralindien, Pakistan, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka und auf den Malediven. Zu ihnen gehören Hindi-Urdu, Bengali, die klassische Sprache Sanskrit und, etwas abseits des eigentlichen Sprachraums, das Romanes der Roma. Mit den im Süden Indiens verbreiteten dravidischen Sprachen besteht keine Verwandtschaft, wohl aber jahrtausendelanger Kontakt, der beide Sprachgruppen in Lautung und Grammatik einander angeglichen hat. Entdeckt wurde die Verwandtschaft des Sanskrit mit Latein und Griechisch Ende des 18. Jahrhunderts durch einen englischen Kolonialrichter, eine Erkenntnis, die den Grundstein für die moderne Sprachwissenschaft legte.
Die Sprachgeschichte reicht fast vier Jahrtausende zurück und wird in drei große Phasen gegliedert. Am Anfang steht das Altindische mit dem Vedischen der heiligen Hymnen und dem später von einem Grammatiker streng kodifizierten klassischen Sanskrit, das schon bald nicht mehr als Alltagssprache existierte, aber als Literatur- und Gelehrtensprache jahrhundertelang parallel zu den gesprochenen Sprachen weiterlebte. Aus ihm entwickelten sich ab etwa 600 vor unserer Zeit die mittelindoarischen Prakrits, zu denen Pali als Sprache des Buddhismus ebenso zählt wie die Sprachen der Dramen und Jaina-Texte, und die sich zunehmend vereinfachten. Um 900 bis 1100 nach unserer Zeit entstanden daraus die heutigen neuindoarischen Sprachen, deren früheste Zeugnisse aber erst Jahrhunderte später überliefert sind. Weil Wanderungsbewegungen und ein durchgehendes Dialektkontinuum über den ganzen Subkontinent die Grenzen zwischen Sprachen und Dialekten verwischt haben, ist eine klare Einteilung bis heute umstritten, etwa bei Randfällen wie den dardischen Sprachen oder dem Romani. Hindi und Urdu etwa beruhen auf derselben Umgangssprache und unterscheiden sich im Alltag kaum, während ihre Schriftsprachen durch unterschiedliche Schriften und einen unterschiedlichen Fremdwortanteil auseinanderdriften.
Sprachlich haben sich die indoarischen Idiome von einem hochkomplexen, dem Lateinischen ähnlichen Flexionssystem im Sanskrit über eine vereinfachte Zwischenstufe hin zu einem heute weitgehend analytischen Satzbau mit Postpositionen und Hilfsverben entwickelt, wobei typische Laute wie retroflexe und behauchte Konsonanten über alle Stufen hinweg erhalten blieben. Der Wortschatz moderner Sprachen setzt sich aus natürlich weiterentwickelten Erbwörtern, direkt aus dem Sanskrit übernommenen Gelehrtenwörtern und zahlreichen Lehnwörtern aus dem Persischen, Arabischen, Portugiesischen und Englischen zusammen. Geschrieben werden die Sprachen in einer Vielzahl von Schriften: in den meist von der alten Brahmi-Schrift abstammenden indischen Schriften, in der persisch-arabischen Schrift etwa für Urdu, Sindhi und Panjabi in Pakistan, sowie vereinzelt in lateinischer Schrift wie bei Konkani. Die Malediven-Sprache Divehi besitzt sogar ein eigenes, im 15. Jahrhundert geschaffenes Schriftsystem.
Die dravidischen Sprachen Südindiens sind mit den indoarischen überhaupt nicht verwandt – durch jahrtausendelangen Kontakt teilen sie trotzdem zahlreiche Merkmale.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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