Morgenwunder

Kunst & Architektur

Nicht der Wald gab dem Schloss den Namen, sondern umgekehrt

Das Jagdschloss Grunewald am Ufer des Grunewaldsees ist Berlins ältester erhaltener Schlossbau und entstand 1542/43 im Auftrag des Kurfürsten Joachim II., der sich in der wildreichen Teltower Heide gleich mehrere solcher Jagdsitze bauen ließ – erhalten ist heute nur noch dieser. Ursprünglich war es ein kleines Wasserschloss mit Graben und nur über eine Holzbrücke erreichbar, wehrhaft im Aussehen, aber längst nicht mehr als Verteidigungsanlage gedacht, sondern als repräsentativer Rückzugsort im Stil der Renaissance. Wer den Bau tatsächlich plante, ist bis heute nicht sicher belegt, auch wenn vieles auf den Baumeister Caspar Theiss hindeutet, dessen Name und Bildnis sich im Eingangsbereich finden. Über Jahrhunderte wurde das Gebäude immer wieder verändert: Um 1700 ließ König Friedrich I. es aufstocken, den Wassergraben zuschütten und die verspielte Renaissance-Dachlandschaft durch ein schlichteres Mansarddach ersetzen, wodurch es sein bis heute vertrautes Aussehen erhielt.

Wie sehr das Schloss genutzt wurde, hing stark von der Jagdleidenschaft der jeweiligen Herrscher ab. Joachim II. selbst hielt sich oft dort auf, auch mit seiner Mätresse Anna Sydow, um die sich nach ihrem Tod Spukgeschichten rankten. Spätere Kurfürsten und Könige verloren zeitweise fast das Interesse, bis Friedrich der Große die Jagd ganz ablehnte und das Gebäude nur noch als Lager für Jagdgerät diente. Im 19. Jahrhundert erlebte die Parforcejagd im Grunewald dank der Söhne Friedrich Wilhelms III. eine Wiederbelebung, mit prunkvollen Hubertusjagden und hohen Gästen wie dem russischen Zaren, ehe 1907 die höfische Jagd im Grunewald endgültig endete. 1891 sorgte zudem ein Skandal um eine Orgie adliger Gäste im Schloss reichsweit für Aufsehen.

Seit 1932 wird das Gebäude als Museum genutzt und zeigt vor allem Gemälde, darunter eine der größten Cranach-Sammlungen Berlins mit religiösen Tafelbildern und Tugend-Darstellungen aus dem einstigen Kölln-Berliner Residenzschloss. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Haus fast unbeschädigt, wenige Werke gingen jedoch durch Plünderungen verloren, bevor das Museum schon 1949 als erstes Berlins nach dem Krieg wieder öffnete. In einem Nebengebäude, dem einstigen Jagdzeugmagazin, ist seit 1977 zusätzlich eine Sammlung historischer Jagdwaffen und Trophäen zu sehen. Nebenbei diente das Schloss auch als Filmkulisse, etwa für einen Edgar-Wallace-Krimi mit Klaus Kinski und über Jahre für eine bekannte Kinderserie.

Das Schloss steht am Grunewaldsee, aber nicht im Ortsteil Grunewald: Gebäude und See gehören zu zwei verschiedenen Berliner Bezirken.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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