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Acht Mutterkonzerne überlebt – und doch dasselbe Haus
Das KaDeWe am Wittenbergplatz eröffnete 1907 als Projekt des Kaufmanns Adolf Jandorf, der mit Architekt Emil Schaudt ein großzügiges, aber bewusst zurückhaltend gestaltetes Warenhaus für die gehobene Berliner Gesellschaft schuf. Schon damals setzte man auf amerikanische Vorbilder, moderne Technik wie Rohrpost und Aufzüge sowie aufwendige Werbung, und das Haus trug mit seiner markanten Turmuhr und der bronzenen Hansekogge zum Aufstieg der Tauentzienstraße zum Einkaufsboulevard bei. 1926 ging das Kaufhaus an den jüdischen Tietz-Konzern über, der es in den 1920er Jahren deutlich erweiterte und die bis heute berühmte Feinkostabteilung einrichtete – eine Blütezeit, die durch die nationalsozialistische „Arisierung“ ab 1933 brutal beendet wurde, als Banken und NS-Staat die jüdischen Eigentümer zum Verkauf unter Wert zwangen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch Luftangriffe und einen abgestürzten Bomber schwer beschädigt und musste danach über Jahrzehnte in Etappen wiederaufgebaut werden.
In West-Berlin diente das KaDeWe zunächst der Grundversorgung, wurde aber zum politisch aufgeladenen Schaufenster des freien Westens und entwickelte sich ab den 1970er Jahren mit großen Umbauten wieder zum Luxuswarenhaus, das sich seither mit Häusern wie Harrods vergleicht. Nach der Wende sorgte der Andrang von DDR-Bürgern für Schlagzeilen, bevor das Haus mehrfach den Besitzer wechselte: über Hertie und Karstadt bis zur Krise des Mutterkonzerns Arcandor, der 2009 insolvent ging, während das KaDeWe selbst als gesichert gegolten hat. Investor Nicolas Berggruen übernahm den Betrieb, bevor die Immobilie später an die österreichische Signa-Gruppe und schließlich mehrheitlich an die italienisch-thailändische Central Group ging; ein von Rem Koolhaas entworfener, jahrelanger Umbau in vier thematische Viertel wurde erst 2022 abgeschlossen. Zweimal, 2009 und 2014, erbeuteten bewaffnete Diebe Schmuck im Millionenwert aus den Luxusboutiquen des Hauses, und 2024 musste die Betreibergesellschaft im Zuge der Signa-Pleiten selbst Insolvenz anmelden.
Heute ist das KaDeWe mit 60.000 Quadratmetern eines der größten Warenhäuser Europas und lockt täglich bis zu 50.000, zur Weihnachtszeit sogar 100.000 Besucher an, viele davon zahlungskräftige Touristen. Berühmt ist vor allem die Feinschmeckeretage mit tausenden Käse-, Wurst- und Weinsorten, einer eigenen Bäckerei samt Mehlrohrleitung und mehr als tausend Sitzplätzen, die das Haus zum größten Restaurant der Stadt machen. Daneben setzt die Geschäftsführung bewusst auf einen Luxusboulevard mit Marken wie Tiffany oder Dior, geschultes Verkaufspersonal mit ungewöhnlich langer Betriebszugehörigkeit und prominente Gäste von Vladimir Nabokov bis zu Staatsgästen, die dem Haus seit jeher Prestige verschafft haben. Als letztes erhaltenes Luxuswarenhaus aus der Berliner Gründerzeit gilt es Historikern zufolge bis heute als Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg und die Weltläufigkeit der Stadt.
Die Feinkostabteilung ist seit dem Ausbau 1978 die zweitgrößte Lebensmittelabteilung eines Warenhauses weltweit – Publikumsmagnet ist sie schon seit den späten 1920er Jahren.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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