Weltall & Universum
Ein paar Kilometer Schutt, die den halben Himmel ausfüllen
Ein Komet ist eigentlich nur ein paar Kilometer großer Klumpen aus Eis und Staub, der erst in Sonnennähe zu dem wird, wofür man ihn kennt: Durch die Wärme verdampft Material von der Oberfläche und bildet eine riesige, neblige Hülle um den Kern, aus der sich schließlich ein Schweif von oft mehreren Millionen Kilometern Länge bildet. Lange hielt man solche Erscheinungen für Vorzeichen des Schicksals oder für Dünste der Erdatmosphäre, selbst Aristoteles und Ptolemäus gingen davon aus. Erst Tycho Brahe zeigte im 16. Jahrhundert, dass Kometen weit außerhalb der Erdatmosphäre liegen müssen, und Edmond Halley bewies kurz darauf, dass mancher Komet regelmäßig wiederkehrt. Spätere Forscher wie Friedrich Wilhelm Bessel verbesserten die Bahnberechnungen und entdeckten dabei auch, wie die Sonne über eine Art Kraftwirkung den Schweif in Form bringt – eine Idee, die zunächst auf Widerstand stieß, sich aber als richtig herausstellte.
Heute weiß man, dass es grundsätzlich zwei Schweifarten gibt: einen schmalen Plasmaschweif aus Ionen, der vom Sonnenwind weggetrieben wird, und einen breiteren, gekrümmten Staubschweif, der vom Strahlungsdruck des Sonnenlichts beeinflusst wird. Die Kometen selbst teilt man nach ihrer Umlaufzeit ein: Kurzperiodische stammen vermutlich aus dem Kuipergürtel jenseits von Neptun, während langperiodische Exemplare aus der viel weiter entfernten Oortschen Wolke kommen und teils hunderte Millionen Jahre für einen Umlauf brauchen. Jeder neu entdeckte Komet bekommt zunächst eine Bezeichnung aus Jahr und Buchstabe nach dem Entdeckungszeitpunkt, bevor er meist zusätzlich nach seinem Entdecker benannt wird. Die Kerne selbst sind überraschend dunkel – ihre Oberfläche reflektiert kaum mehr Licht als Asphalt, weil eine Art schwarze Kruste sie überzieht, aus der nur an wenigen brüchigen Stellen Gas und Staub entweichen.
Mit jedem Sonnenumlauf verliert ein Komet etwas von seiner Substanz, und nach einigen tausend Durchgängen ist vom ursprünglichen Kern oft nicht mehr viel übrig – manche zerbrechen dabei ganz, wie es beim Kometen Biela im 19. Jahrhundert oder spektakulär bei Shoemaker-Levy 9 passierte, der 1994 in Bruchstücken auf Jupiter einschlug. Solche zerfallenden Kometen hinterlassen Staubspuren entlang ihrer Bahn, aus denen dann jedes Jahr die bekannten Meteorströme wie die Perseiden entstehen. Woher genau die fernen Kometen der Oortschen Wolke ihren Weg ins innere Sonnensystem finden, ist allerdings bis heute nicht restlos geklärt, ebenso wenig wie die Frage, ob sie maßgeblich zum Wasser auf der Erde beigetragen haben. Kulturell hat die Menschheit Kometen jahrtausendelang als Unglücksboten gedeutet, von Caesars Ermordung bis zum Massenselbstmord der Heaven’s-Gate-Sekte beim Erscheinen des Kometen Hale-Bopp 1997, und auch wissenschaftlich bleiben sie spannend, weil man in ihnen organische Moleküle findet, die möglicherweise etwas über den Ursprung des Lebens verraten könnten.
Pro Jahrhundert gibt es nur etwa zehn wirklich eindrucksvolle Kometenerscheinungen – fast alle übrigen bleiben Objekte fürs Fernrohr.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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