Kunst & Architektur
Nicht das Gold macht dieses Kreuz berühmt, sondern fünf Emails
Im Essener Domschatz steht ein goldenes Kreuz, das um das Jahr 1000 für die Äbtissin Mathilde angefertigt wurde und zu den großen Werken ottonischer Goldschmiedekunst zählt. Namensgebend sind fünf große Emailbilder in einer aufwendigen Senkschmelztechnik: eines zeigt die Kreuzigung mit Maria und Johannes sowie Sonne und Mond, die vier anderen die Symbole der Evangelisten. Darum herum ist das Kreuz mit Edelsteinen, Perlen, feinem Filigran und einem antiken Medusenkopf aus Sardonyx geschmückt, der als Symbol für das besiegte Böse gedeutet wird. Die Rückseite wurde im 12. Jahrhundert erneuert und zeigt einen Lebensbaum mit Engelsmedaillons und dem Lamm Gottes in der Mitte.
Besonders spannend wird es, wenn man die Kunstgeschichte genauer betrachtet: Die vier Evangelisten-Emails sind auffällig unregelmäßig geschnitten und passen nicht recht zur übrigen Gestaltung, weshalb Forscher annehmen, dass sie ursprünglich aus einem anderen, heute verlorenen Kunstwerk stammen und später eingesetzt wurden. Der Essener Forscher Beuckers vermutet, dass diese Umgestaltung unter einer späteren Äbtissin namens Sophia stattfand, die über Kontakte zum Kaiserhof Heinrichs II. verfügte, auch wenn der genaue Grund für den Eingriff unbekannt bleibt. Zudem bringt man das Kreuz mit einem heute verschollenen Reliquienschrein in Verbindung und vermutet, dass beide in derselben, möglicherweise aus Trier nach Essen geholten Goldschmiedewerkstatt entstanden. Über die genaue liturgische Nutzung weiß man wenig, nur dass Vortragekreuze meist paarweise getragen wurden und dieses vermutlich als Ergänzung zu einem älteren Essener Kreuz diente.
In seiner langen Geschichte blieb das Kreuz fast ununterbrochen in Essen, wurde aber in Krisenzeiten immer wieder in Sicherheit gebracht, etwa während des Dreißigjährigen Krieges nach Köln oder vor anrückenden französischen Truppen 1794 in ein Waisenhaus. Beim Ruhraufstand 1920 schaffte man den gesamten Domschatz heimlich nach Hildesheim, bevor er Jahre später zurückkehrte, und im Zweiten Weltkrieg wanderte er über mehrere Ausweichorte bis in einen Bunker, wo ihn amerikanische Truppen fanden. Nach der Rückkehr nach Essen und der Gründung des Ruhrbistums 1958 ging das Kreuz in den Besitz des neuen Bistums über. Zuletzt wurde es 1992 bei der Amtseinführung eines Essener Bischofs feierlich getragen, heute bleibt es aus konservatorischen Gründen im Schatz und wird nicht mehr liturgisch verwendet.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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