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Dein Mund bleibt sauber – weil das gar keine Waldbeere ist

Kulturheidelbeeren klingen nach der heimischen Waldheidelbeere, stammen aber eigentlich aus Nordamerika und wurden erst dort aus mehreren Wildarten der Gattung Vaccinium gezüchtet – anders als ihre Verwandte färbt ihr helles Fruchtfleisch Mund und Lippen nicht blau, nur die Schale ist gefärbt. Je nach Sorte wachsen die Sträucher als kniehohe Bodendecker oder als meterhohe Büsche, und ihre krugförmigen Blüten werden vor allem von Hummeln und Wildbienen bestäubt, während Honigbienen dabei eher ungeschickt sind. Die Beeren reifen über Wochen in mehreren Phasen, wechseln dabei die Farbe von Grün über Violett zu Blau und bilden erst ganz zum Schluss ihren typischen weißen Wachsüberzug, der sie vor Hitze, Nässe und Pilzbefall schützt. Damit die Pflanzen im Frühjahr wieder austreiben, brauchen sie je nach Sorte eine unterschiedlich lange winterliche Kältephase, weshalb manche Züchtungen nur für warme, andere nur für kalte Regionen taugen.

Den Grundstein für den kommerziellen Anbau legte Anfang des 20. Jahrhunderts eine amerikanische Farmerstochter, die mit einem Botaniker zusammenarbeitete und gezielt die besten Wildsträucher auslesen ließ, benannt nach den Pflückern, die sie gefunden hatten; so entstand 1916 die erste richtige Kultursorte. Von den USA aus breitete sich der Anbau rasant aus, erreichte in den 1920er-Jahren auch Europa und wuchs in Deutschland seit den 1950er-Jahren besonders in der Lüneburger Heide und in Brandenburg. Die Pflanzen brauchen sauren, lockeren, feuchten Boden und reagieren empfindlich auf Trockenheit, Wind und zu viel Dünger, weshalb Bewässerung, Windschutz und regelmäßiger Rückschnitt zur Pflege dazugehören. Je nach Markt werden die Beeren von Hand für den Frischverkauf gepflückt oder maschinell für die Verarbeitung geerntet, und weltweit liefern heute vor allem die USA, Peru, Kanada und Polen den Löwenanteil der Ernte.

Wegen ihrer Antioxidantien gelten Kulturheidelbeeren als besonders gesund, sollen oxidativem Stress entgegenwirken und werden mit einem geringeren Krebs- und Herzkreislaufrisiko in Verbindung gebracht, frisch verzehrt oder zu Kuchen, Marmelade und Saft verarbeitet. Sie lassen sich gut einfrieren, verderben frisch aber schnell, weil beim Pflücken kleine Wunden entstehen, durch die Pilze eindringen können, weshalb rasches Kühlen entscheidend ist. Problematisch ist zugleich, dass die Sträucher über Vogelkot leicht aus den Plantagen in die Umgebung verwildern und sich vor allem in Kiefernwäldern und empfindlichen Hochmooren ausbreiten. Dort verdrängen sie durch Beschattung die moortypische Vegetation und beschleunigen die Austrocknung der Moore, weshalb inzwischen ein Mindestabstand zwischen neuen Plantagen und Mooren empfohlen wird, auch wenn es noch kaum Erfahrung mit wirksamer Bekämpfung der Verwilderungen gibt.

Nach Europa kam die Kulturheidelbeere zuerst nicht als Obst, sondern als Zierpflanze – wegen ihrer Herbstfärbung im Garten- und Landschaftsbau.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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