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Kuriose Geschichte · Erde & Orte

Die Wikinger mieden diese Küste – dort saßen bessere Piraten

Die Kuren waren ein baltischer Stammesverband an der Küste des heutigen West-Lettlands und West-Litauens, der vom 9. bis 13. Jahrhundert als heidnische Seefahrer und gefürchtete Piraten bekannt war, deren Raubzüge bis nach Gotland, Schweden und Dänemark reichten. Unter skandinavischem Einfluss entwickelten sie einen eigenen „kurischen Tierstil“ in der Kunst, kriegerische Gefolgschaften und eine Seekriegsführung, die sie zu „kurischen Wikingern“ machte – so sehr, dass die echten Wikinger ihre Küste irgendwann mieden. Neben Piraterie betrieben sie auch Handel mit eigener Silberwährung, den sogenannten Oserings, und weiteten ihr Siedlungsgebiet über Jahrhunderte stark nach Norden und Osten aus, bis ihre Expansion 1210 mit einer gescheiterten Belagerung Rigas gegen den Schwertbrüderorden endete. Ihre Sprache, das Altkurische, stand sprachlich näher am Altpreußischen als am Lettischen, ist aber nur über Ortsnamen, Lehnwörter und ein einziges überliefertes Vaterunser bekannt.

Nach der Niederlage gegen die Kreuzritter folgten zwei große Aufstände, 1236–1245 und 1260–1267, die der Deutsche Orden äußerst gewaltsam niederschlug, wobei zahlreiche Burgen zerstört und viele Kuren getötet, vertrieben oder deportiert wurden. Danach hörte der Stammesverband als politische Einheit auf zu existieren, und ihre Sprache wurde bis spätestens zum 16. Jahrhundert durch Zuwanderer aus Lettgallen beziehungsweise durch litauisch-schemaitische Dialekte verdrängt, was ein überliefertes, sprachlich gemischtes Vaterunser aus dem 15. Jahrhundert belegt. Südlichere Gruppen flohen zu den Schemaiten und gingen in deren Bevölkerung auf, wodurch weite Teile Südkurlands im heutigen Litauen über Generationen fast entvölkert blieben. Bis heute ist unter Forschern umstritten, woher der Name „Kuren“ eigentlich stammt – es gibt mehrere konkurrierende sprachhistorische Hypothesen, von denen keine endgültig bewiesen ist.

Ihr Erbe lebt vor allem im Namen der Region Kurland fort, ebenso in Bistumsgrenzen, die sich an den alten Stammesgebieten orientierten, und in einem besonderen bäuerlichen Stand, den „Kurischen Königen“, die jahrhundertelang abgabenfrei blieben. Verwirrend ist, dass spätere Auswanderer aus Kurland, die vom 15. bis 17. Jahrhundert die Nehrungsküste Ostpreußens besiedelten, ebenfalls „Kuren“ genannt wurden, obwohl sie bereits eine lettisch geprägte Mischsprache sprachen und mit den alten Kuren nur den Namen teilten; erst die moderne Baltistik trennte beide Gruppen begrifflich. Der Artikel beschreibt zudem ausführlich die archäologisch erschlossenen kurischen Landschaften mit ihren Burgen, Dörfern und Handelszentren, deren genaue Grenzen in Teilen bis heute unter Historikern diskutiert werden.

Ein altkurisches Vaterunser aus dem 15. Jahrhundert, überliefert bei Simon Grunau, ist bereits mehrheitlich lettisch – zeigt aber noch deutlich mehr altkurische Spuren als jeder heutige Dialekt Kurlands.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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