Krieg & Konflikt · Menschen & Lebenswege
Ein Eroberer, den ausgerechnet die Besiegten verklärten
Kyros II., genannt Kyros der Große, war der sechste Herrscher der Achämeniden und regierte Persien von etwa 559 bis 530 vor Christus. Aus einem bescheidenen Fürstentum namens Anschan machte er innerhalb weniger Jahrzehnte ein Großreich, das später von Indien bis Ägypten reichte. Über seine Herkunft und Jugend existieren widersprüchliche Legenden, die schon die antiken Historiker Herodot, Ktesias und Nikolaos von Damaskus unterschiedlich erzählten, etwa die Geschichte vom ausgesetzten Königsenkel, der von Hirten aufgezogen wurde. Zuverlässiger gelten heute die erhaltenen Keilschrifttexte wie der Kyros-Zylinder und die Nabonid-Chronik, mit deren Hilfe die Forschung die griechischen Berichte überprüfen kann.
Seinen Aufstieg begann Kyros mit dem Sturz seines Großvaters, des Mederkönigs Astyages, dessen eigenes Heer ihn schließlich an Kyros auslieferte. Es folgten Feldzüge gegen den lydischen König Krösus, dessen Hauptstadt Sardes nach zäher Belagerung fiel, und gegen die griechischen Städte Kleinasiens, die sich teils unterwarfen, teils blutig niedergeworfen wurden. Den entscheidenden Schlag gegen Babylon führte Kyros 539 vor Christus, indem er geschickt die Spannungen zwischen dem unbeliebten König Nabonid und der Priesterschaft ausnutzte und die Stadt schließlich kampflos einnehmen konnte. Danach unterwarf er noch die östlichen Provinzen bis zum Indus, während die nomadischen Steppenvölker im Nordosten nie ganz zu bezwingen waren. Über seinen Tod bei einem Feldzug gegen einen dieser Stämme gibt es ebenfalls widersprüchliche Berichte, am bekanntesten die Erzählung, er sei im Kampf gegen die Königin Tomyris gefallen.
Schon kurz nach seinem Tod wurde Kyros zur Symbolfigur eines idealen, milden Herrschers verklärt, ein Bild, das die Griechen übernahmen und das durch seine Rolle in der Bibel als Befreier der Juden aus dem babylonischen Exil noch verstärkt wurde. Tatsächlich respektierte er fremde Glaubenspraktiken, beschnitt aber zugleich systematisch die wirtschaftliche Macht der eroberten Tempel. Bis heute wirkt diese positive Legende nach, etwa als die Vereinten Nationen 1971 den sogenannten Kyros-Zylinder als erste Menschenrechtserklärung feierten, was Historiker als unhistorische Vereinnahmung zurückweisen. Sein angebliches Grab in Pasargadae, ein schlichter steinerner Bau, wurde noch Alexander dem Großen gezeigt und gilt heute weithin als identifiziert. Der Stoff um Kyros beschäftigte außerdem über Jahrhunderte Dichter, Maler und Komponisten, von Xenophons Herrscherroman bis zu Opern des 18. Jahrhunderts.
Schon kurz nach seinem Tod machte sein eigenes Volk Kyros zur Legende – und die Griechen, deren Welt sein Reich bedrohte, schrieben die Lobeserzählung bereitwillig fort.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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