Wissenschaft & Ideen · Menschen & Lebenswege
Du rechnest in seiner Notation, ohne es zu merken
Leonhard Euler wächst in einem Basler Pfarrhaus auf und zeigt schon als Junge eine solche Begabung, dass ihn Johann Bernoulli persönlich fördert und vom Theologiestudium wegholt. Mit zwanzig folgt er einem Ruf an die neue Akademie in Sankt Petersburg, wo er trotz politischer Wirren rasch zum führenden Mathematiker aufsteigt und heiratet. 1741 wechselt er nach Berlin an den Hof Friedrichs des Grossen, doch die beiden werden nie richtig warm miteinander – der König findet ihn ungeschliffen und zieht am Ende sogar d'Alembert vor, was Euler nach Sankt Petersburg zurücktreibt. Dort erblindet er fast völlig, verliert bei einem Brand seine Wohnung und fast sein Leben, arbeitet aber mit Hilfe seiner Söhne und eines Sekretärs bis zu seinem Tod 1783 weiter, mitten in einem Gespräch über den gerade entdeckten Planeten Uranus.
Sein wissenschaftliches Werk ist von einer Fülle, die bis heute erstaunt: Über 800 Publikationen und 76 Bände gesammelter Schriften decken praktisch jedes Gebiet der damaligen Mathematik und Physik ab. Er prägt Schreibweisen, die du noch aus der Schule kennst, etwa f(x) für Funktionen, das e für die Basis des natürlichen Logarithmus oder das Summenzeichen Sigma, und liefert mit einer schlichten Formel für die Königsberger Brückenproblem den Grundstein der Graphentheorie. Dazu kommen bahnbrechende Ergebnisse in der Zahlentheorie, etwa zur Verteilung der Primzahlen, die Begründung der Variationsrechnung, sowie zentrale Gleichungen der Mechanik und Strömungslehre, die noch heute in der Technik verwendet werden. Selbst in der Musiktheorie und mit einfachen Kreisdiagrammen zur Veranschaulichung logischer Schlüsse hinterlässt er Spuren.
Hinter all den Formeln steckt ein Mann mit festen religiösen Überzeugungen und einer eigenwilligen Naturphilosophie: Er glaubt an eine lückenlose, unendlich teilbare Materie ohne echte Leere und sieht in der Mathematik das Werkzeug, um metaphysische Streitfragen endgültig zu klären. Diese Haltung bringt ihn in Konflikt mit den Ideen von Leibniz und Wolff, während seine feste Frömmigkeit Anekdoten wie einen angeblichen, aber erfundenen Gottesbeweis gegenüber Diderot hervorbringt. Zeitgenossen wie Laplace erklären ihn zum Lehrmeister aller Mathematiker, und sein Einfluss reicht über Gauss und Jacobi bis in die moderne Wissenschaftsgeschichte, wo man ihm zwar gelegentlich einen laxen Umgang mit dem Unendlichen vorwirft, seine Ergebnisse aber fast durchweg als korrekt bestätigt. Bis heute erinnern Krater, Asteroiden, Banknoten und unzählige nach ihm benannte Sätze und Konstanten an einen Forscher, dessen schiere Produktivität bis in unsere Zeit ihresgleichen sucht.
Seine gesammelten Werke, die Opera omnia, füllen 76 Bände. Zwei mathematische Konstanten tragen seinen Namen: die Eulersche Zahl e und die Euler-Mascheroni-Konstante.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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