Musik, Film & Literatur
Der japanischste Stil der Welt kam aus dem Westen
Manga meint eigentlich einfach japanische Comics, doch was genau darunter fällt, ist selbst unter Fachleuten umstritten: Mal ist damit alles gemeint, was in Japan an Bildgeschichten entsteht, mal nur ein bestimmter, sehr erkennbarer Stil mit großen Augen und kindlichen Figuren, der auch außerhalb Japans kopiert wird. Historisch reicht die Spur bis zu mittelalterlichen Bildrollen buddhistischer Mönche und den Holzschnitten der Edo-Zeit zurück, doch entscheidend geprägt wurde das heutige Medium erst durch westliche Einflüsse ab dem späten 19. Jahrhundert und durch Zeichner wie Rakuten Kitazawa, der den Begriff im modernen Sinn durchsetzte. Nach dem Krieg war es vor allem Osamu Tezuka, der mit seiner filmisch erzählten, kapitelreichen Form den sogenannten Story-Manga begründete und damit prägend für fast alles wurde, was man heute international mit Manga verbindet, auch wenn Forscher seine Rolle als Alleinerfinder relativieren. In den folgenden Jahrzehnten fächerte sich das Medium stark auf: Frauen begannen selbst zu zeichnen, es entstanden Genres für jede Altersgruppe und jeden Geschmack, von Sport über Liebe bis zu expliziter Erotik, und Skandale wie der Fall des sogenannten Otaku-Mörders lösten in Japan heftige Debatten über Gewalt- und Sexdarstellungen sowie Zensur aus.
Wirtschaftlich ist Manga in Japan eine der tragenden Säulen des Verlagswesens, wobei dicke, billig gedruckte Wochenmagazine als Testballon dienen und der eigentliche Gewinn erst mit hochwertigen Sammelbänden gemacht wird. Seit den 1990ern schrumpfen allerdings die Auflagen der großen Magazine spürbar, während digitale Angebote und E-Books den Markt inzwischen stabilisieren. Gezeichnet wird meist unter enormem Zeitdruck: Viele Künstler arbeiten mit Teams von Assistenten, schlafen kaum und stehen unter dem Diktat wöchentlicher Fristen, während Verlagsredakteure oft erheblichen Einfluss auf Inhalt und Ausrichtung der Serien nehmen. Besonders ist auch, dass Manga in Japan als vollwertige Kunstform gilt und von allen Gesellschaftsschichten gelesen wird, begleitet von einer riesigen, sehr kreativen Fanszene mit eigenen Messen wie dem Comic Market und einer Flut selbstpublizierter Fanwerke, den Dōjinshi.
International verbreitete sich Manga erst im Windschatten des Zeichentrickfilms Anime und kämpfte lange gegen das Vorurteil, ein gewaltverherrlichendes und sexualisiertes Kindermedium zu sein. In Ostasien, etwa in Taiwan, Südkorea und China, fand es schon früh große, oft zunächst illegale Verbreitung und beeinflusste dort eigene Comictraditionen wie Manhwa und Manhua, was bis heute politisch heikel bleibt. In den USA und Europa brauchte es dagegen jahrzehntelange, oft holprige Anlaufversuche, ehe Serien wie Dragon Ball oder Sailor Moon den Durchbruch brachten und die ursprünglich an westliche Leserichtung angepassten Ausgaben durch originalgetreue, ungespiegelte Fassungen abgelöst wurden. In Deutschland gelang dieser Durchbruch Ende der 1990er Jahre mit Dragon Ball, seither ist der Markt stark gewachsen, wird überwiegend von einem jungen, mehrheitlich weiblichen Publikum getragen und macht die deutsche Comicbranche heute so stark von Manga abhängig wie in keinem anderen westeuropäischen Land.
Japan hat den größten Comicmarkt der Welt, und der Begriff Manga wird inzwischen auch für nichtjapanische Werke benutzt, die japanischen Vorbildern nacheifern.surprising_fact
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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