Wissenschaft & Ideen
Erst verstopfte es Pipelines, dann wurde es zum Energieschatz
Methanhydrat ist eine eisartige Substanz, in der Wassermoleküle einen Käfig um eingeschlossene Methanmoleküle bilden – meist entstanden durch Mikroben im Meeresboden, seltener durch geologische Prozesse. Entdeckt wurde es Ende des 19. Jahrhunderts im Labor, wurde aber erst in den 1930er-Jahren wichtig, als man herausfand, dass es Erdgaspipelines verstopft, und in den 1960er-Jahren fand man es erstmals auch tatsächlich in der Natur, zuerst in sibirischem Permafrost. Seitdem gilt es als eines der größten, bislang kaum genutzten Energiereservoirs der Erde, weil es vermutlich mehr Kohlenstoff bindet als alle anderen fossilen Brennstoffe zusammen, auch wenn die Schätzungen stark schwanken. Es kommt vor allem an Kontinentalhängen der Ozeane, in der Tiefsee und in arktischen Permafrostböden vor, aber auch vermutlich auf Himmelskörpern wie dem Saturnmond Titan, auf Pluto oder dem Mars.
Die technische Förderung steckt noch in den Anfängen: Testbohrungen in Kanada, den USA, Japan und China versuchen, das Methan durch Druckentlastung, Erhitzen oder den Austausch gegen Kohlendioxid freizusetzen, was bislang aber mit Problemen wie Versandung oder unerwartet sinkender statt steigender Förderrate kämpft. Auch wirtschaftlich interessant sind Nebenanwendungen wie Gastrennung oder Meerwasserentsalzung, die aber bislang kaum über Laborversuche hinausgekommen sind. Gleichzeitig ist Methanhydrat auch ein Sicherheitsrisiko: Es verstopft Pipelines, spielte womöglich eine Rolle bei der Deepwater-Horizon-Katastrophe und wird als möglicher Auslöser gewaltiger unterseeischer Hangrutschungen wie der Storegga-Rutschung vor Norwegen diskutiert, auch wenn das im Einzelfall oft nicht sicher geklärt ist. Am Meeresboden bildet es zudem die Lebensgrundlage eigentümlicher Ökosysteme, etwa rosafarbener Eiswürmer oder Muscheln, die von Bakterien profitieren, die sich direkt vom Methan ernähren.
Besonders brisant ist seine Rolle im Klimasystem: Weil im Methanhydrat enorme Mengen des starken Treibhausgases Methan gebunden sind, könnte eine Erwärmung der Ozeane und auftauender Permafrostböden dieses Methan freisetzen und die Erderwärmung zusätzlich anheizen. Bisher ist der tatsächliche Beitrag aus zerfallendem Methanhydrat zur globalen Methanbilanz aber eher gering, viel kleiner etwa als die Emissionen aus Feuchtgebieten oder der Landwirtschaft. Auch in der Erdgeschichte wird vermutet, dass freigesetztes Methan aus Hydraten Warmzeiten mitverursacht haben könnte, etwa beim sogenannten Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum, auch wenn die Isotopenbefunde dazu nicht ganz eindeutig passen. Selbst die alte Legende, wonach aufsteigende Methanblasen Schiffe im Bermudadreieck zum Sinken gebracht hätten, lässt sich mit den bekannten Mechanismen nicht wirklich stützen.
x
Den ganzen Artikel „Methanhydrat“ auf Wikipedia lesen
Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
Jeden Morgen einer.
Ein Wikipedia-Artikel pro Tag, zu deiner Uhrzeit, aus den Themen, die du willst. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.
Anmelden