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Ein Flop, dessen Code heute auf Milliarden Rechnern läuft

Windows NT 3.1 war 1993 Microsofts erstes komplett neu entwickeltes 32-Bit-Betriebssystem, das es als Workstation- und Servervariante in Konkurrenz zu Novell NetWare auf den Markt brachte. Die Entwicklung geht zurück auf David Cutler, einen erfahrenen Systemprogrammierer von DEC, den Bill Gates 1988 abwarb, nachdem er erkannt hatte, dass Unix und neue RISC-Prozessoren die Vorherrschaft von MS-DOS gefährden könnten. Zunächst lief das Projekt intern als Erweiterung von OS/2 und wurde sogar auf einem exotischen Intel-i860-Prozessor entwickelt, bevor man wegen dessen Unzuverlässigkeit auf MIPS-Chips wechselte. Als Microsofts Windows 3.0 zum Kassenschlager wurde und die Partnerschaft mit IBM zerbrach, entschied man sich 1990, das Projekt komplett von OS/2 zu lösen und stattdessen als eigenständiges Windows-Betriebssystem weiterzuentwickeln. Jahre voller Verzögerungen, öffentlicher Betatests und immer wieder verschobener Termine folgten, ehe das System schließlich im Juli 1993 erschien.

Cutler verfolgte für das neue System drei Leitgedanken: Portabilität auf mehreren Prozessorarchitekturen, hohe Zuverlässigkeit durch einen abgeschotteten Kernel und sogenannte Subsysteme, sowie die Fähigkeit, Programme verschiedener älterer Betriebssysteme wie MS-DOS, Windows 3.x und OS/2 auszuführen. Technisch kombinierte die Architektur Elemente eines Microkernels mit einem Client-Server-Modell, führte das robuste Dateisystem NTFS, ein Rechte- und Benutzerkontensystem sowie die zentrale Konfigurationsdatenbank Registry ein. Für Netzwerke gedacht, unterstützte es TCP/IP und andere Protokolle, bot Fernzugriff per Modem und ließ sich über den Advanced Server zentral als Domänen-Controller verwalten. Trotz dieser fortschrittlichen Konzepte blieb vieles unausgereift: Die Kompatibilität zu 16-Bit-Programmen war fehleranfällig, und ein Absturz eines solchen Programms konnte alle anderen 16-Bit-Anwendungen mit sich reißen.

Am Markt blieb der Erfolg bescheiden: Innerhalb eines Jahres verkaufte Microsoft weltweit nur rund 250.000 Kopien, denn die hohen Hardwareanforderungen überforderten die damaligen PCs, und für die eigentlich gewünschten 32-Bit-Programme fehlte lange Zeit praktisch jede Software. Besonders die RISC-Varianten auf MIPS- oder Alpha-Prozessoren litten darunter, dass kaum Treiber oder native Anwendungen existierten, während ältere Software dort sogar noch langsamer lief. Rezensionen lobten zwar das durchdachte Multitasking und die vergleichsweise einfache Installation, kritisierten aber unisono die schwache Performance und mangelnde Netzwerkkompatibilität zu Konkurrenzsystemen wie Unix oder NetWare. Einen überraschenden Erfolg erzielte das System dagegen in Japan, wo es praktisch konkurrenzlos in einen noch jungen PC-Markt traf. Trotz des mäßigen Verkaufserfolgs legte Windows NT 3.1 das technische Fundament für alle folgenden NT-Versionen und veränderte langfristig auch, wie Konkurrenten wie Unix-Hersteller und Novell auf den entstehenden Markt reagierten.

Die Versionsnummer 3.1 war reines Marketing – es gab keine Vorgängerversionen. Sie sollte nur nach Verwandtschaft mit dem populären Windows 3.1 aussehen.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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