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Der Vulkan, der die Minoer nicht umbrachte

Irgendwann im 17. oder 16. Jahrhundert vor Christus brach der Vulkan auf der Ägäisinsel Thera, dem heutigen Santorin, mit gewaltiger Wucht aus und begrub die mit der minoischen Kultur verbundene Siedlung Akrotiri unter meterdicken Ascheschichten. Lange galt die These, dieser Ausbruch habe direkt den Untergang der minoischen Kultur auf Kreta ausgelöst, doch Ausgrabungen zeigen, dass die Palastzentren erst Jahrzehnte später verschwanden. Die Insel selbst ist Teil einer langen vulkanischen Geschichte mit Dutzenden Ausbrüchen über die letzten rund zwei Millionen Jahre, wobei sich die Form Santorins durch wiederkehrende Kollaps- und Aufbauphasen immer wieder veränderte. Die Stärke des Ausbruchs wurde über Jahrzehnte hinweg unterschiedlich eingeschätzt, von vergleichsweise kleinen Mengen bis zu Schätzungen, die ihn in dieselbe Kategorie wie den berühmten Krakatau-Ausbruch einordnen, und neuere Untersuchungen des Meeresbodens haben diese Einschätzung wieder nach oben korrigiert. Erst ein 2021 untersuchter Fund in der Westtürkei, das Skelett eines von einer Tsunamiwelle verschütteten jungen Mannes, lieferte das erste direkte Opfer der Katastrophe.

Der eigentliche Ausbruch lässt sich in vier aufeinanderfolgende Phasen gliedern, denen bereits Erdbeben vorausgingen, die die Bewohner rechtzeitig zur Flucht veranlassten, weshalb in Akrotiri weder Leichen noch Wertgegenstände gefunden wurden. Zunächst stieß der Vulkan relativ ruhig Bimsstein und Asche aus, bevor eindringendes Meerwasser eine viel heftigere, phreatomagmatische Explosion auslöste, die schwerere Brocken und ungleichmäßig verteilte Ablagerungen erzeugte. In der dritten, intensivsten Phase flossen gewaltige Massen aus Gestein, Asche und heißem Schlamm, bis der entstandene Hohlraum unter der Insel einstürzte und die heutige Caldera formte. Zum Schluss, mit abnehmender Energie, lagerten sich Schuttströme und Ascheschichten ab, und die Insel zerbrach endgültig in ihre heutige Form, wobei nur ein kleiner Felsrest als Überbleibsel eines früheren Ausbruchs stehen blieb. Weil die Ablagerungen dieses Ausbruchs sich im gesamten östlichen Mittelmeerraum nachweisen lassen, dienen sie Archäologen als wichtiger Fixpunkt, um verschiedene antike Chronologien miteinander zu verknüpfen.

Genau diese Datierung aber ist bis heute heftig umstritten, denn archäologisch-historiografische Methoden setzen den Ausbruch eher ins späte 16. Jahrhundert, während naturwissenschaftliche Verfahren wie Eisbohrkerne, Jahresringe von Bäumen und Radiokarbondatierungen lange auf ein deutlich früheres Datum im 17. Jahrhundert hindeuteten. Diese rund hundertjährige Lücke sorgte über Jahrzehnte für Streit quer durch alle Fachrichtungen, bis neuere Kalibrierungsmethoden und genauere Radiokarbonmessungen beide Lager einander wieder annäherten. Unklar bleibt zudem, welche konkreten Folgen die Eruption für die Minoer hatte, da keinerlei schriftliche Zeugnisse ihrer Kultur die Katastrophe erwähnen; vermutet wird aber, dass die Zerstörung des wichtigen Handelsstützpunkts Akrotiri den Fernhandel erschwerte und den langfristigen Niedergang begünstigte. Auch mögliche Spuren in Mythen wie der Deukalionflut oder der Sage vom bronzenen Riesen Talos, ebenso wie Verbindungen zu den biblischen Plagen oder der Atlantis-Legende, lassen sich nicht eindeutig belegen, sondern beruhen auf Interpretation.

Historische Quellen und Radiokarbondatierung lagen bei diesem einen Ausbruch rund 100 Jahre auseinander – erst verfeinerte Messmethoden brachten beide Datierungen zur Deckung.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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