Erde & Orte · Kunst & Architektur
Fast 200 Jahre war er politisch bedeutungslos – dann kam 1918
Der Moskauer Kreml ist nicht nur Amtssitz des russischen Präsidenten, sondern der älteste Teil der Stadt und ihr historisches Zentrum, das schon zu Zarenzeiten Regierungssitz war. Auf einem Hügel am Moskwa-Ufer gelegen, wird das dreieckige Gelände von einer rund zwei Kilometer langen, dunkelroten Backsteinmauer mit zwanzig unterschiedlich gestalteten Türmen umschlossen, die größtenteils Ende des 15. Jahrhunderts unter Großfürst Iwan III. mithilfe italienischer Baumeister entstand. Innerhalb der Mauern liegen Kathedralen, Paläste und Verwaltungsgebäude aus ganz verschiedenen Jahrhunderten, darunter der Kathedralenplatz mit seinen fünf historischen Kirchenbauten, die einst Krönungen und Begräbnisse der Großfürsten und Zaren erlebten. Heute ist der Kreml zugleich Museum, Weltkulturerbe und Touristenattraktion, auch wenn weite Teile als Präsidentensitz gesperrt bleiben.
Du merkst beim Lesen, wie oft diese Festung neu entstehen musste: Ursprünglich eine hölzerne Burg, brannte sie immer wieder ab oder wurde von Tataren, Litauern oder später Napoleons Truppen verwüstet, bevor sie Ende des 15. Jahrhunderts in Stein und Backstein ihre bis heute erhaltene Form erhielt. Nach der Verlegung der Hauptstadt nach Sankt Petersburg verlor der Kreml zwar seine Rolle als Zarenresidenz, blieb aber Schauplatz von Krönungen und wichtigen Staatsakten, bevor er mit dem Einzug der sowjetischen Regierung 1918 wieder zum Machtzentrum wurde. Die Bolschewiki rissen in den 1920er- und 1930er-Jahren zahlreiche Kirchen und ganze Klosteranlagen ab, ersetzten zarenzeitliche Doppeladler auf den Türmen durch rote Rubinglas-Sterne und schlossen den Kreml drei Jahrzehnte lang für die Öffentlichkeit. Erst unter Chruschtschow öffnete er sich 1955 wieder als Museum, während gleichzeitig mit dem Kongresspalast das bislang letzte neue Gebäude auf dem Gelände entstand.```Nach dem Ende der Sowjetunion kamen die Kirchen teilweise an die orthodoxe Kirche zurück und werden seither wieder für Gottesdienste genutzt, auch wenn der Kreml seine frühere Bedeutung als Pilgerstätte nicht zurückgewonnen hat.
Beeindruckend sind vor allem die Schätze und Kuriositäten, die sich im Lauf der Jahrhunderte angesammelt haben: die tonnenschwere Zarenglocke, die beim Guss zersprang und nie geläutet wurde, die riesige Zarenkanone, die nie abgefeuert wurde, oder die Rüstkammer mit tausenden Exponaten von Krönungsinsignien bis zu Fabergé-Eiern, dazu der Diamantenfonds mit berühmten Einzelsteinen aus Zarenbesitz. Vieles von dem, was einst zum Ensemble gehörte, ist allerdings für immer verloren, sei es durch Brände, durch Katharinas verworfene Umbaupläne oder durch die systematischen Abrisse der Sowjetzeit, zuletzt noch 2016 mit dem Abriss eines Verwaltungsgebäudes aus den 1930er-Jahren. Trotzdem gilt der Kreml zusammen mit dem benachbarten Roten Platz seit 1990 als erstes russisches Weltkulturerbe und zieht jährlich rund zwei Millionen Besucher an. Dass er dabei bis heute aktiver Regierungssitz ist, zeigte sich zuletzt 2023, als der Senatspalast Ziel eines Drohnenangriffs wurde.
Der Befestigungsring aus den Jahren 1485 bis 1499 steht bis heute weitgehend erhalten – und wurde zum Bauvorbild für Festungen in anderen russischen Städten.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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