Morgenwunder

Sport & Spiele

Nur eine Stadt wollte sie – dann wurde Olympia ein Geschäft

Die Sommerspiele 1984 in Los Angeles standen von Anfang an unter einem besonderen Stern: Als einzige Bewerberstadt bekam Los Angeles den Zuschlag, nachdem sich alle Konkurrenten wegen der hohen Kosten zurückgezogen hatten, und die Stadt setzte durch, dass private Sponsoren statt des Staates die Rechnung übernahmen. Aus Rache für den amerikanischen Boykott von Moskau 1980 und wegen eskalierender Streitigkeiten um Sicherheit und Akkreditierungen blieb die Sowjetunion den Spielen fern, gefolgt von 18 weiteren Ostblockstaaten – nur Rumänien und China ließen sich zur Teilnahme überreden. Trotzdem kamen mit 140 Mannschaften so viele Länder wie nie zuvor, weil das neu gegründete Solidaritätsprogramm des IOC ärmeren Nationen die Reise finanzierte, auch wenn in vielen Sportarten die Weltspitze fehlte.

Organisatorisch verzichtete man bewusst auf teure Neubauten und nutzte fast überall vorhandene Stadien und Unis, verteilte die Athleten auf drei Universitätsdörfer statt eines zentralen Olympischen Dorfes und ließ Fernsehrechte, Sponsoren und sogar Gedenkmünzen die Kosten decken. Das zahlte sich aus: Statt eines Defizits blieb am Ende ein Gewinn von über 200 Millionen Dollar übrig, wovon ein Teil in eine neue Stiftung floss – ein Modell, das spätere Ausrichterstädte kopierten, aber auch harsche Kritik an der Kommerzialisierung des Sports auslöste. Parallel öffnete das IOC unter seinem neuen Präsidenten Samaranch die Spiele erstmals für Profisportler, wovon vorerst nur der Fußball wirklich Gebrauch machte. Der Fackellauf wurde ebenfalls vermarktet, was in Griechenland für Empörung sorgte und dazu führte, dass der dortige Staffellauf abgesagt wurde.

Sportlich profitierten vor allem die US-Athleten von der Abwesenheit der Ostblock-Konkurrenz, allen voran Carl Lewis mit vier Goldmedaillen im Sprint und Weitsprung, während die rumänische Turnerin Ecaterina Szabó mit vier Goldmedaillen zur erfolgreichsten Teilnehmerin überhaupt wurde. Mehrere Wettbewerbe, etwa Gewichtheben und Ringen, litten sichtbar unter den fehlenden Medaillengewinnern von 1980, und im Boxen sorgten fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen zugunsten der Gastgeber für Ärger. Auch beim Doping gab es Schatten: Elf positive Tests wurden bekannt, aber zehn weitere Proben verschwanden später spurlos aus dem Hotelzimmer eines IOC-Funktionärs, und Jahre danach wurde publik, dass Dutzende US-Sportler vorab heimlich getestet und trotz positiver Befunde geschont worden waren. So gelten die Spiele bis heute als Wendepunkt – sportpolitisch als letzter großer Olympiaboykott, wirtschaftlich als Beginn der durchkommerzialisierten Olympischen Spiele.

Die sieben fehlenden Ostblock-Mannschaften plus Kuba hatten acht Jahre zuvor in Montreal rund die Hälfte aller Medaillen gewonnen.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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