Kunst & Architektur
Eine karge Nachkriegskirche, die Hundertwasser von außen umkrempelte
Die Pfarrkirche von Bärnbach in der Weststeiermark ist als „Hundertwasserkirche“ bekannt, weil der Künstler Friedensreich Hundertwasser sie Ende der 1980er Jahre umgestaltet hat. Ursprünglich war es ein schlichter Nachkriegsbau, den die Bergarbeiter- und Glasarbeiterbevölkerung Bärnbachs ab 1948 mit eigenen Händen errichtete, weil man endlich eine eigene Pfarre wollte, statt weiter von Piber und Voitsberg mitversorgt zu werden. 1952 wurde daraus die eigenständige Pfarrkirche, geweiht der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute. Weil die billige Bauweise die Substanz schnell verschlissen hatte, beschloss der Pfarrgemeinderat schon Ende der 1970er eine Generalsanierung, ohne zunächst zu wissen, wie sie aussehen oder wer sie bezahlen sollte.
Den entscheidenden Anstoß gab der Pfarrer, der von einer Hundertwasser-Ausstellung so begeistert war, dass er den Künstler über einen befreundeten Briefmarkenstecher kennenlernte und für das Projekt gewinnen konnte. Hundertwasser sagte unter der Bedingung völliger künstlerischer Freiheit zu und verzichtete sogar auf Honorar, sodass die Pfarre nur Material und Arbeitskräfte finanzieren musste, was am Ende doch beträchtliche Summen erforderte und über Spenden und Sammlungen aufgebracht wurde. Anfängliche Skepsis im Pfarrgemeinderat verflog, als die ersten Entwürfe vorlagen, und 1986 bis 1988 entstand die heutige Gestalt: bunte Keramikflächen, eine vergoldete Turmzwiebel, schiefe Dachlinien und krumme Fenster im typischen Stil des Künstlers, während das schlichte Innere von steirischen Künstlern wie Franz Weiss gestaltet wurde. Rund um die Kirche legte Hundertwasser einen Park mit zwölf symbolischen Torbögen an, die für die großen Weltreligionen stehen, sowie einen unregelmäßig gepflasterten Prozessionsweg mit Symbolen, die die beteiligten Handwerker frei wählen durften.
Die Umgestaltung wurde von der Bevölkerung überwiegend positiv aufgenommen, auch wenn es vereinzelt Widerstand und sogar antisemitische Anfeindungen gegen Hundertwasser gab, dessen Mutter Jüdin gewesen war. Kunstkritiker lobten das Ergebnis als gelungen, wiesen aber auch auf einen gewissen Bruch zwischen dem märchenhaft verspielten Äußeren und dem eher kühlen, nüchternen Innenraum hin. Die Kirche machte Bärnbach international bekannt, zieht bis heute tausende Besucher an und wurde mehrfach als Modell nachgebaut, etwa im Klagenfurter Minimundus und im Hamburger Miniatur Wunderland. Sie bleibt das einzige sakrale Bauwerk, das Hundertwasser je gestaltet hat, und zog weitere Künstler der Wiener Schule des Phantastischen Realismus in die Region.
Der Zwiebelturm trägt eine vergoldete Zwiebel, und rund um die Kirche stehen zwölf Torbögen in einem Park – das ganze Ensemble steht unter Denkmalschutz.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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