Morgenwunder

Körper & Medizin

Welcher Zahn eine Brücke tragen darf, ist Ermessenssache

Pfeilerwertigkeit ist ein Fachbegriff aus der Zahnmedizin und beschreibt, wie gut sich ein Zahn eignet, als Pfeiler für eine Brücke oder herausnehmbaren Zahnersatz die Belastung von fehlenden Zähnen mitzutragen. Zunächst zählt die reine Grundwertigkeit eines gesunden Zahns, die sich aus Anzahl, Länge und Dicke seiner Wurzeln ergibt – ein unterer Schneidezahn mit dünner Wurzel hält weniger aus als ein Eckzahn mit kräftiger Wurzel. Darauf aufbauend hat ein Basler Zahnmediziner ein Punktesystem entwickelt, mit dem man rechnerisch prüfen kann, ob die verbliebenen Zähne stark genug sind, um die Last der fehlenden zu übernehmen. Fehlt zum Beispiel ein ganzer Molarenbereich, reicht es oft nicht, nur die Nachbarzähne einzuspannen, sondern es muss ein weiterer Zahn als zusätzlicher Pfeiler einbezogen werden.

Der größte Teil des Artikels widmet sich den vielen einzelnen Kriterien, die die Eignung eines bestimmten Zahns als Pfeiler im Detail beeinflussen. Dazu gehören der Zustand des Zahnfleischs und Kieferknochens, die Fläche der Wurzelhaut nach dem sogenannten Ante’schen Gesetz, das Verhältnis von sichtbarer Zahnkrone zu im Knochen verankerter Wurzel, die Form der Wurzeln, ein möglicher Knochenabbau an der Aufteilungsstelle mehrwurzeliger Zähne sowie der Grad einer Kippung oder Lockerung des Zahns. Auch der Zustand des Zahnnervs, das Ausmaß kariöser Zerstörung, die Notwendigkeit von Stiftaufbauten, der sogenannte Ferrule-Effekt – also wie weit eine Krone den Zahn noch fest umfassen kann – sowie die Form, die zum Halt einer Krone nötig ist, spielen eine Rolle. Selbst Implantate, Milchzähne und jugendliche Zähne mit ihrer noch weiten Zahnhöhle werden gesondert betrachtet, wobei Milchzähne wegen ihrer schwachen, sich zurückbildenden Wurzeln grundsätzlich ungeeignet sind.  

Neben diesen eher technischen, sogenannt harten Kriterien nennt der Artikel auch weiche Faktoren, die zwar die Pfeilerwertigkeit selbst nicht verändern, aber die tatsächliche Verwendbarkeit eines Zahns beeinflussen. Dazu zählen die Mundhygiene des Patienten, die Art des geplanten Zahnersatzes, etwaige Allgemeinerkrankungen, die Beißkraft der Gegenbezahnung und nicht zuletzt der Wunsch des Patienten selbst, der vorher über Risiken und kürzere Haltbarkeit aufgeklärt werden muss. Abschließend wird auf die praktische Bedeutung in Deutschland verwiesen: Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung entscheidet die eingeschätzte Pfeilerwertigkeit eines Zahns mit darüber, ob ein geplanter Zahnersatz überhaupt bezuschusst wird. Ist die Prognose eines Zahns fraglich, fällt er aus der Förderung heraus, was die sorgfältige Einschätzung aller genannten Kriterien im Praxisalltag besonders wichtig macht.

Diese Einschätzung gilt als eine der wichtigsten zahnärztlichen Kompetenzen überhaupt – obwohl sie sich gerade nicht in eindeutige Kriterien fassen lässt.

Den ganzen Artikel „Pfeilerwertigkeit“ auf Wikipedia lesen

Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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