Weltall & Universum
Unser nächster Nachbarstern blieb bis 1915 unentdeckt
Proxima Centauri ist mit rund 4,2 Lichtjahren Entfernung der sonnennächste Stern, aber so lichtschwach, dass er erst 1915 entdeckt wurde und sich am Südhimmel nur mit einem kleinen Teleskop aufspüren lässt. Es handelt sich um einen winzigen Roten Zwerg mit etwa einem Siebtel des Sonnendurchmessers und nur zwölf Prozent ihrer Masse, der seine beiden helleren Nachbarn Alpha Centauri A und B in riesigem Abstand und über einen Zeitraum von rund 591.000 Jahren umkreist. Dass die drei Sterne tatsächlich gravitativ gebunden sind und nicht nur zufällig nebeneinander vorbeiziehen, galt lange als unsicher und wurde erst Ende 2016 einigermaßen geklärt, auch wenn manche Messungen weiterhin eher für eine lose, hyperbolische Begegnung sprechen. Um den Stern wurden inzwischen mehrere Planeten gefunden, von denen zwei, b und d, in der habitablen Zone liegen, während die Existenz eines dritten, c, als unsicher gilt.
Besonders prägend ist, dass Proxima Centauri ein sehr aktiver Flarestern ist: Weil sein Inneres komplett von Konvektion durchmischt wird, baut er ein starkes Magnetfeld auf, das immer wieder gewaltige Strahlungsausbrüche freisetzt und dabei die Helligkeit kurzzeitig um ein Vielfaches steigen lässt, bei einem 2017 beobachteten Flare sogar um das Tausendfache. Nahezu neunzig Prozent seiner Oberfläche können aktiv sein, deutlich mehr als bei der Sonne selbst in ihren aktivsten Phasen, und seine Korona ist entsprechend heißer. Diese Unruhe macht die Frage nach Leben auf den nahen Planeten heikel, denn selbst ein stabiles Magnetfeld des Planeten könnte die Atmosphäre kaum vor solchen Ausbrüchen schützen. Zugleich sorgt die geringe Energieproduktion dafür, dass der Stern anders als die Sonne sein Helium gleichmäßig verteilt statt im Kern zu sammeln, wodurch er extrem haushälterisch mit seinem Wasserstoff umgeht.
Gerade diese Sparsamkeit macht Proxima Centauri auf lange Sicht bemerkenswert: Schätzungen zufolge wird er noch rund vier Billionen Jahre auf der Hauptreihe verharren, das Dreihundertfache des bisherigen Weltalters, ehe er ohne Umweg über ein Rote-Riesen-Stadium direkt zum Weißen Zwerg wird. Wegen seiner Nähe gilt er zugleich als naheliegendstes Ziel für eine erste interstellare Reise, auch wenn selbst ein so schnelles Gefährt wie Voyager 1 dafür etwa 75.000 Jahre bräuchte und ambitioniertere Konzepte wie Longshot von theoretisch rund hundert Jahren ausgehen. Von der Erde aus betrachtet bleibt er trotz all dem ein unscheinbarer Lichtpunkt, und selbst von seinen eigenen Planeten aus wäre nicht er, sondern das helle Paar Alpha Centauri A und B der auffällige Anblick am Himmel.
Der dritte Planet, Proxima Centauri d, wiegt nur etwa ein Viertel der Erdmasse und braucht für eine Umrundung gerade mal 5,12 Tage.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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