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Eine Diagnose für Hitler könnte ihn am Ende entlasten

Seit Hitlers Lebzeiten versuchen Psychiater und Psychoanalytiker immer wieder, ihn nachträglich zu diagnostizieren – von Hysterie über Schizophrenie und Psychopathie bis zu posttraumatischer Belastungsstörung. Namhafte Autoren wie Erich Fromm oder Walter C. Langer hielten ihn für psychisch gestört, andere wie Fritz Redlich kamen nach jahrelanger Arbeit zum gegenteiligen Schluss, dass Hitler genau wusste, was er tat, und es mit Überzeugung tat. Das Grundproblem aller dieser Ferndiagnosen ist methodisch: Hitler wurde nie von einem Psychiater untersucht, sein Krankenblatt aus dem Lazarett Pasewalk gilt seit den 1920ern als verschollen, und die Befunde beruhen fast nur auf Erinnerungen Dritter oder auf Interpretationen seiner Reden und seines Buches. Hinzu kommt eine ethische Problematik: Kritiker warnen, dass eine Pathologisierung Hitler teilweise von Verantwortung entlasten oder umgekehrt alle Schuld auf einen „wahnsinnigen Einzeltäter“ verschieben könnte, während Mitläufer und Eliten aus dem Blick geraten.

Besonders hartnäckig hält sich die Geschichte, Hitler sei 1918 in Pasewalk wegen hysterischer Erblindung von dem Psychiater Edmund Forster hypnotisch behandelt worden – eine These, die ursprünglich aus einem US-Geheimdienstbericht von 1943 stammt und später von Autoren wie Rudolph Binion oder David Lewis immer weiter ausgeschmückt wurde, obwohl stichhaltige Belege fehlen; ein Forscher hat diese Legendenbildung inzwischen Schritt für Schritt zerlegt. Andere Deutungslinien suchen die Ursachen seiner Destruktivität in der Kindheit, etwa bei einem brutalen Vater und einer überforderten Mutter, wie es Alice Miller oder Helm Stierlin tun, während wieder andere organische Erklärungen bevorzugen, etwa Spätfolgen einer Gasvergiftung, Parkinson, Syphilis oder einen Amphetaminmissbrauch in seinen letzten Lebensjahren. Vereinzelte, kaum geteilte Außenseiterthesen reichen von einer Hirnhälften-Dysfunktion über eine bipolare Störung bis zum Asperger-Syndrom.

Trotz der Fülle an Diagnosen gibt es bis heute keinen Konsens, und viele der vorgeschlagenen Krankheitsbilder widersprechen einander oder lassen sich mit den spärlichen Quellen gar nicht wirklich belegen. Ein wiederkehrender Einwand lautet, dass eine psychische Störung allein nicht erklärt, wie Hitler eine so breite, begeisterte Anhängerschaft gewinnen konnte, und dass psychohistorische Deutungen oft zu wenig historischen Kontext berücksichtigen. Neuere, stärker interdisziplinäre Arbeiten versuchen deshalb, individuelle Pathologie mit der kollektiven Faszination der Masse zusammenzudenken, statt nur nach einer Diagnose für die Einzelperson zu suchen. Am Ende bleibt die Frage offen, ob Hitler überhaupt krank war oder ob er seine auffälligen Züge – Kontrolle, Theatralik, Wutausbrüche – bewusst als Mittel der Politik einsetzte.

Nicht alle kommen zum selben Ergebnis: Fritz Redlich etwa kam nach seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass Hitler gar keine psychische Störung hatte.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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