Erde & Orte · Kunst & Architektur
Der König starb zu früh – also wurde seine Pyramide umgebaut
In Abusir steht eine Pyramide, die nie fertig wurde: Pharao Raneferef starb nach nur fünf Jahren Herrschaft, noch bevor die Bauarbeiten über die erste Stufe hinauskamen. Damit sein Leichnam trotzdem bestattet werden konnte, verwandelten die Baumeister den Stumpf kurzerhand in eine quadratische Mastaba mit steilen Seiten. Lange war unklar, wem die Ruine überhaupt gehörte, und man ging sogar davon aus, dass wegen des Baustopps gar keine Bestattung stattgefunden haben könne. Erst eine tschechische Grabungskampagne ab 1974 unter Miroslav Verner brachte Klarheit: Man fand Mumienreste, Statuen und sogar Papyri aus dem Tempelarchiv, die das Bauwerk eindeutig Raneferef zuordneten und nebenbei alte Theorien zur Bautechnik der Zeit widerlegten.
Der Unterbau folgte dem für die Epoche üblichen Schema mit einem abwärtsführenden Gang, Granitverkleidung und einer ungewöhnlichen zweiten Sperrvorrichtung, wie sie sonst nirgendwo nachgewiesen ist. Trotz schwerer Zerstörung durch Grabräuber, die sich bequem über die flache Dachterrasse Zugang verschafften, fanden die Archäologen Reste eines Granitsarkophags, Alabastergefäße und die Mumie einesjungen Mannes, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Raneferef selbst ist. Weil die eigentliche Pyramide nie vollendet wurde, fehlen typische Bestandteile wie Aufweg und Taltempel. Dafür wuchs der Totentempel unter den Nachfolgern immer weiter: Aus einem improvisierten kleinen Kultbau wurde unter Niuserre ein weitläufiger Lehmziegelkomplex mit Magazinräumen, einem von zwanzig Holzsäulen getragenen Saal mit sternübersätem Deckenbild und schließlich einem monumentalen T-förmigen Eingang.
Zum Komplex gehörte auch ein sogenanntes Messer-Heiligtum, ein Schlachthaus für Opfertiere, in dem laut den erhaltenen Papyri bei einem zehntägigen Fest einmal 130 Stiere geopfert wurden, bevor es später nur noch als Lager diente. Ein eigenes Sonnenheiligtum des Königs ist zwar durch Inschriften belegt, wurde aber bis heute nicht gefunden, möglicherweise weil es später überbaut wurde. Der Totenkult für Raneferef hielt sich bis zum Ende der 6. Dynastie und erlebte in der 12. Dynastie sogar noch einmal eine kurze Wiederbelebung. Insgesamt zeigt die Ruine so weniger ein gescheitertes Bauprojekt als einen Ort, der gerade durch den plötzlichen Tod des Königs über Generationen hinweg immer wieder umgestaltet und erweitert wurde.
Die unfertige Pyramide in Abusir wurde nicht abgerissen, sondern in eine quadratische Mastaba verwandelt – und erhielt später sogar noch große Tempelbauten.
Den ganzen Artikel „Raneferef-Pyramide“ auf Wikipedia lesen
Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
Jeden Morgen einer.
Ein Wikipedia-Artikel pro Tag, zu deiner Uhrzeit, aus den Themen, die du willst. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.
Anmelden