Morgenwunder

Kuriose Geschichte · Krieg & Konflikt

Fast 50 Jahre am Abgrund – und manche Provinzen blühten auf

Als Reichskrise des 3. Jahrhunderts bezeichnet man die Zeit von 235 bis 284, in der das Römische Reich gleichzeitig von germanischen Großverbänden im Norden und dem neuen Perserreich der Sāsāniden im Osten bedrängt wurde. Nach dem Ende der Severer-Dynastie wechselten sich in rascher Folge sogenannte Soldatenkaiser ab, die fast alle gewaltsam starben, weil ihre Macht allein auf der Zustimmung ihrer Truppen beruhte und jeder Misserfolg sofort einen Gegenkaiser auf den Plan rief. Höhepunkt war die Gefangennahme Kaiser Valerians durch die Perser im Jahr 260, ein für Rom beispielloser Schock, der zeitgleich mit dem Zerfall des Reiches in ein gallisches Sonderreich im Westen und das Teilreich von Palmyra im Osten einherging. Hinzu kamen Bürgerkriege, eine Seuche und wirtschaftliche Probleme, sodass die Zentralregierung zeitweise nur noch über Italien, den Balkan und Teile Nordafrikas wirklich herrschte.

Ab Kaiser Gallienus setzte langsam eine Gegenbewegung ein: Er professionalisierte das Heer, schuf eine bewegliche Reiterreserve und verdrängte Senatoren zugunsten von Rittern aus militärischen Kommandos, wurde aber selbst ermordet, bevor er die Früchte dieser Reformen ernten konnte. Seine Nachfolger, die sogenannten illyrischen Kaiser Claudius Gothicus und Aurelian, gingen erstmals wieder in die Offensive, besiegten germanische Invasoren in großen Schlachten und brachten sowohl Palmyra als auch das gallische Sonderreich zurück ins Reich. Aurelian ließ zum Schutz Roms eine neue Stadtmauer bauen und führte mit dem Sonnengott Sol Invictus einen neuen Reichskult ein, der seine Herrschaft religiös absicherte. Nach weiteren kurzen, teils erfolgreichen Kaiserherrschaften wie der des Probus und des Carus, der sogar bis in die persische Hauptstadt vorstieß, gelang schließlich Diokletian ab 284 mit umfassenden Verwaltungs- und Heeresreformen die dauerhafte Stabilisierung, die den Übergang zur Spätantike markiert.

Wie schwer diese Zeit wirklich war, ist unter Historikern bis heute umstritten, zumal es kaum zusammenhängende zeitgenössische Berichte gibt und spätere, meist senatsfreundliche Quellen das Bild stark einfärbten. Ältere Forschung sprach von einem umfassenden Niedergang, der alle Lebensbereiche erfasst habe, während neuere Studien zeigen, dass viele Provinzen wie Ägypten, Africa oder Hispanien in dieser Zeit sogar aufblühten und von den Kämpfen kaum betroffen waren. Auch die vermeintliche galoppierende Geldentwertung und ein allgemeines Krisenbewusstsein der Bevölkerung lassen sich erst für die 270er Jahre wirklich belegen, nicht für die Jahrzehnte davor. Manche Forscher bezweifeln daher grundsätzlich, ob der Begriff Krise für das ganze Jahrhundert angemessen ist, und sehen die Zeit eher als eine Übergangsphase mit durchaus produktiven Ansätzen, etwa im Militärwesen, in der Verwaltung oder in der Philosophie mit dem aufkommenden Neuplatonismus.

placeholder

Den ganzen Artikel „Reichskrise des 3. Jahrhunderts“ auf Wikipedia lesen

Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

Jeden Morgen einer.

Ein Wikipedia-Artikel pro Tag, zu deiner Uhrzeit, aus den Themen, die du willst. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

Anmelden