Kuriose Geschichte · Kunst & Architektur
Die Kirche reicht das Schwert – und meint damit weltliche Macht
Das Reichsschwert gehörte zu den wichtigsten Insignien der römisch-deutschen Könige und Kaiser und wird, weil sein Ursprung dem heiligen Mauritius zugeschrieben wurde, auch Mauritiusschwert genannt. Bei der Krönung überreichte der Papst es dem Herrscher als Zeichen weltlicher Macht aus Gottes Hand, danach trug man es ihm mit der Spitze nach oben voran. Klinge und Griff stammen vermutlich erst vom Ende des 12. Jahrhunderts und wurden wahrscheinlich für Otto IV. gefertigt, worauf sein Wappen im Knauf hindeutet. Die lateinischen Inschriften an der Parierstange sind je nach Haltung des Schwertes lesbar und gehören zu einem mittelalterlichen Huldigungsgesang, dessen sprachliche Eigenheiten auf einen Schreiber aus dem romanischen Sprachraum verweisen. Heute liegt das Schwert in der Wiener Schatzkammer und ist bis auf einige nachträgliche Verzierungen weitgehend im Originalzustand erhalten.
Besonders aufwendig ist die Olivenholzscheide mit vierzehn goldenen Platten, die Herrschergestalten von Karl dem Großen bis Heinrich III. zeigen und deutlich älter sind als das Schwert selbst. Forscher gehen heute davon aus, dass diese Scheide erst für Heinrich IV. angefertigt wurde, der im Investiturstreit seine Herrschaft rechtfertigen musste und mit der lückenlosen Ahnenreihe seine Legitimität als Nachfolger Karls des Großen demonstrieren wollte. Stilistische Details wie echtes byzantinisches Email und die Verwendung von Olivenholz sprechen dafür, dass die Scheide in Italien entstand, wohin sich Heinrich vor seiner Kaiserkrönung tatsächlich aufhielt. Warum diese ältere, kostbare Scheide später mit dem jüngeren Schwert verbunden wurde, lässt sich nur vermuten, möglicherweise passte die Herrscherreihe auch gut zu den Ambitionen Ottos IV. Kupferstiche aus dem 18. Jahrhundert dokumentieren zudem den damaligen Zustand der Scheide, von der einige Goldbleche inzwischen so verformt sind, dass nur noch diese alten Abbildungen ihr ursprüngliches Aussehen zeigen.
Schriftlich belegt ist das Schwert erstmals im 13. und 14. Jahrhundert, bildliche Darstellungen, die ihm wirklich ähneln, gibt es sogar erst aus dem 17. Jahrhundert. Jahrhundertelang wurde es zusammen mit den übrigen Reichskleinodien an wechselnden Orten verwahrt, bis es 1423 dauerhaft nach Nürnberg kam und 1800 wegen der Revolutionskriege heimlich nach Wien gebracht wurde, wo es bis heute liegt. Anders als die übrigen Kleinodien kam das Reichsschwert auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches noch mehrfach bei feierlichen Anlässen zum Einsatz, zuletzt 1916 bei einer Königskrönung in Ungarn. 1935 ließ der Nürnberger Oberbürgermeister sogar eine Nachbildung anfertigen, um Hitlers Interesse an einer Rückführung der Kleinodien zu wecken. Insgesamt gilt das Schwert mit seiner älteren Scheide als frühe Form politischer Propaganda, die neben religiöser Symbolik vor allem den jahrhundertelangen Machtkampf zwischen Kaisern und Kirche sichtbar macht.
Der Ursprung des Schwertes wurde dem heiligen Mauritius zugeschrieben, daher heißt es auch Mauritiusschwert. Heute liegt es als Inventarnummer SchK XIII 17 in der Wiener Hofburg.
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