Krieg & Konflikt · Menschen & Lebenswege
Englands Nationalheld verbrachte sechs Monate in England
Richard Löwenherz war von 1189 bis 1199 König von England, verbrachte aber während seiner gesamten Herrschaft insgesamt nur sechs Monate auf der Insel, weil sein ererbtes angevinisches Reich sich über weite Teile Westfrankreichs erstreckte. Seine Jugend war geprägt von Rivalitäten mit Vater und Brüdern um das Erbe, und erst ein Bündnis mit dem französischen König Philipp II. verschaffte ihm nach dem Tod seines älteren Bruders den Thron. Als Herzog von Aquitanien hatte er sich schon vorher einen Ruf als brillanter, aber auch brutaler Kriegsherr erworben, der gegen aufständische Adlige rücksichtslos vorging. Nach der Krönung organisierte er binnen weniger Monate enorme Geldmittel und eine riesige Flotte für den Kreuzzug, wofür praktisch alles im Reich verkäuflich wurde.
Auf dem gemeinsam mit Philipp begonnenen Kreuzzug eroberte Richard zunächst Zypern und beendete dann die zweijährige Belagerung von Akkon, zerstritt sich aber unterwegs sowohl mit dem französischen König als auch mit dem österreichischen Herzog Leopold V., dessen Ehre er bei der Stadteroberung verletzt hatte. Jerusalem selbst blieb trotz zweier Vorstöße unerreichbar, und Richard musste sich schließlich mit einem Waffenstillstand begnügen. Auf der Rückreise wurde er von Leopold gefangen genommen und an Kaiser Heinrich VI. ausgeliefert, der ihn über ein Jahr festhielt und erst gegen ein gewaltiges Lösegeld freiließ, das durch Sondersteuern und Besitzverkäufe im ganzen Reich aufgebracht werden musste. Nach seiner Freilassung kämpfte er die restlichen Jahre gegen Philipp II. um verlorene Gebiete in Frankreich und starb 1199 bei der Belagerung einer aufständischen Burg an einer Armbrustverwundung.
Schon zu Lebzeiten förderte Richard selbst die Legendenbildung um seine Person, etwa indem er sich in die Tradition des sagenhaften Königs Artus stellte, und spätere Jahrhunderte verwoben seine Geschichte mit der von Robin Hood und dem treuen Sänger Blondel. Während die Literatur, Oper und später der Film ihn lange als strahlenden Ritter und nationales Symbol feierten, urteilte die englische Geschichtsschreibung seit dem 17. Jahrhundert, besonders in protestantischen Kreisen, hart über ihn als egoistischen Monarchen, der sein Inselreich vernachlässigt habe. Erst seit den 1980er Jahren, vor allem durch die Arbeiten John Gillinghams, setzte sich eine positivere Neubewertung durch, die ihn nach mittelalterlichen Maßstäben als nahezu idealen Herrscher betrachtet, während deutschsprachige Forscher wie Dieter Berg an kritischeren Einschätzungen festhalten. Bis heute bleibt sein Bild deshalb widersprüchlich zwischen Kriegsheld, rücksichtslosem Kriegsherrn und vernachlässigtem Landesvater.
Das Lösegeld von 100.000 Mark Silber, zusammengekratzt aus Richards gesamtem Reich, steckte Kaiser Heinrich VI. vor allem in die Eroberung Siziliens.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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