Morgenwunder

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Der Lungenkranke aus Edinburgh starb als Häuptling der Südsee

Robert Louis Stevenson wuchs als kränkliches Einzelkind in Edinburgh auf, geprägt von einer streng calvinistischen Kinderfrau, deren Schauergeschichten ihn nachts ängstigten, aber auch seine spätere Fantasie nährten. Obwohl er auf väterlichen Wunsch Jura studierte und als Anwalt zugelassen wurde, zog es ihn zum Schreiben, und er führte ein unstetes Leben zwischen Krankheit, Reisen und literarischen Zirkeln in Edinburgh, London und Paris. Dort verliebte er sich in die verheiratete Amerikanerin Fanny Osbourne, folgte ihr über den Atlantik und heiratete sie schließlich in San Francisco, nachdem ihre Scheidung durch war. Wegen seiner Tuberkulose zog die Familie immer wieder um, von den Schweizer Alpen über Südfrankreich bis in die USA, stets auf der Suche nach einem erträglichen Klima.

Sein literarischer Durchbruch gelang mit der für den Stiefsohn erdachten „Schatzinsel“, die zunächst kaum beachtet wurde, als Buch aber zum Bestseller avancierte und bis heute als Jugendbuchklassiker gilt. Kurz darauf folgte die Novelle über Dr. Jekyll und Mr. Hyde, die auf einem realen Fall eines nachts kriminellen Handwerkers beruht und sich mit gespaltener Persönlichkeit befasst; sie wurde ebenfalls ein enormer Erfolg und später mehrfach verfilmt. Daneben entstanden historische Abenteuerromane wie „Entführt“ und dessen Fortsetzung, Reiseberichte über Wanderungen mit einem störrischen Lastesel und über das raue Leben der Auswanderer, sowie Gedichte, Essays und Briefe. Auf der Suche nach besserer Gesundheit segelte er schließlich in die Südsee und ließ sich mit seiner ganzen Familie auf Samoa nieder, wo neue Erzählungen mit polynesischem Hintergrund entstanden.

Auf Samoa wurde Stevenson von den Einheimischen als Geschichtenerzähler verehrt und mischte sich, entgegen dem Rat der britischen Regierung, in die politischen Konflikte der Insel ein, indem er Partei für einen unterlegenen Häuptling ergriff. Dort starb er 1894 überraschend an einer Hirnblutung und wurde, seinem Wunsch entsprechend, auf einem Berggipfel über seinem Haus begraben. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet er in Großbritannien zeitweise in Vergessenheit und wurde auf Kinder- und Horrorliteratur reduziert, ehe ihn das späte 20. Jahrhundert wieder als vielseitigen Schriftsteller, Essayisten und Zeitzeugen der Pazifikgeschichte würdigte. Autoren wie Henry James, Arthur Conan Doyle und Vladimir Nabokov äußerten sich bewundernd über sein Werk, während Kritiker bis heute betonen, wie schwer sich sein breites, genreübergreifendes Schaffen einordnen lässt.

Geboren in Edinburgh, gestorben 1894 in Vailima nahe Apia auf Samoa – rund um den halben Globus vom viktorianischen Schottland entfernt.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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