Körper & Medizin
Eine antike Pferdeseuche steht heute auf der Bio-Waffen-Liste
Rotz ist eine uralte, hochansteckende Krankheit der Pferde und Esel, die durch das Bakterium Burkholderia mallei ausgelöst wird und sich in eitrig-geschwürigen Veränderungen an Atemwegen, Lunge und Haut zeigt. Pferde sind das einzige natürliche Reservoir und können den Erreger auch latent und unbemerkt weitertragen, während Esel meist akut und schwerer erkranken. Auch Menschen können sich anstecken, vor allem durch engen Kontakt mit kranken Tieren oder deren Ausscheidungen, wobei unbehandelt vor allem der akute Verlauf oft tödlich endet. Weil es keine wirksame Impfung gibt und die Antibiotikatherapie langwierig und unsicher ist, gilt bei Ausbrüchen strikt: erkrankte und infizierte Tiere werden gekeult, jede Behandlung ist dann verboten.
Über Jahrhunderte war Rotz besonders für Armeepferde eine Geißel, weil Kriege mit ihrem Pferdetransport, überfüllten Ställen und geschwächten Tieren die Seuche förderten und sie sich nach Kriegsende oft erst richtig ausbreitete, wenn ausgemusterte Tiere in die Zivilbevölkerung verkauft wurden. Erst mit der Entdeckung des Erregers im späten 19. Jahrhundert und der Entwicklung von Diagnosemethoden wie dem Mallein-Test und serologischen Verfahren gelang es, betroffene und latent infizierte Tiere systematisch zu erfassen und durch konsequente Keulungsprogramme ganze Länder seuchenfrei zu machen. So ist Rotz heute in Nordamerika und Westeuropa getilgt, hält sich aber weiterhin in Teilen Asiens, Südamerikas und Afrikas, wo unter anderem wirtschaftliche und strukturelle Gründe eine konsequente Bekämpfung erschweren, weshalb die Krankheit als wiederaufflammend eingestuft wird.
Weil der Erreger leicht zu vermehren und zu verbreiten ist, dabei aber im Westen kaum noch bekannt ist und unspezifisch beginnt, gilt Rotz auch als potenzieller biologischer Kampfstoff. Im Ersten Weltkrieg setzte das Deutsche Reich Rotzkulturen tatsächlich gezielt ein, um für die Alliierten bestimmte Pferde und Maultiere vor der Verschiffung zu infizieren, und auch Japan experimentierte später im besetzten China damit an Tieren, Zivilisten und Kriegsgefangenen. Ein offener Einsatz auf dem Schlachtfeld gegen Menschen blieb jedoch aus, und seit der Unterzeichnung der Biowaffenkonvention beschränkt sich die Forschung an dem Erreger offiziell auf Verteidigungszwecke wie Impfstoffentwicklung. Arbeiten mit dem Bakterium sind heute streng auf Hochsicherheitslabore begrenzt, weil es als eines der gefährlichsten im Labor handhabbaren Organismen gilt.
Pferde können sich latent infizieren, ohne krank zu wirken – sie sind das einzige natürliche Reservoir des Erregers und tragen ihn dadurch weiter.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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