Erde & Orte
Erst baute Ruhla Uhren, heute ganz Thüringen in Miniatur
Ruhla liegt eng ins Erbstromtal am Nordrand des Thüringer Walds gezwängt, mit seinen Ortsteilen Thal und Kittelsthal knapp 5300 Einwohner zählend. Die Stadt zieht sich wegen der engen Tallage über mehr als fünf Kilometer hin, umgeben von Bergen aus kristallinem Schiefer, Porphyr und Granit, deren Eisenerz einst die Besiedlung überhaupt erst auslöste. Schon im Mittelalter zogen Wanderschmiede hierher, aus ihnen entwickelte sich ein Messerschmiedehandwerk, das im 19. Jahrhundert durch Konkurrenz und Abwanderung in die Krise geriet. Danach fand die Stadt mit Tabakpfeifen und schließlich mit der Uhrenproduktion neue Standbeine, zeitweise liefen hier Millionen Uhrwerke vom Band. Im Nationalsozialismus wie im Krieg wurde intensiv für die Rüstung produziert, wobei auch Zwangsarbeiter aus mehreren Ländern eingesetzt waren, woran heute Gräber auf dem Trinitatis-Friedhof erinnern.
Nach der Wende verlor die einstige Industriestadt ihre Fabriken weitgehend und wandelte sich bewusst zum Erholungsort, alte Werksgelände wichen Parks und Freizeitanlagen. Heute prägen Sehenswürdigkeiten wie die einzigartige Winkelkirche St. Concordia, die Tropfsteinhöhle in Kittelsthal oder der Miniaturpark mini-a-thür das Bild, dazu kommen Museen zur Uhren- und Pfeifentradition sowie der Aussichtsturm auf dem Ringberg. Die Geschichte der Stadt war lange von einer Teilung in einen eisenachischen und einen gothaischen Teil geprägt, weshalb es bis heute zwei evangelische Kirchen gibt, erst 1921 wuchsen die Verwaltungen wieder zusammen. Auch eigene Bräuche wie der Messertanz der Schmiedezunft, ein eigener Dialekt und eine charakteristische Tracht haben sich über Vereine bis heute erhalten, wenn auch nur noch wenige Menschen den alten Sprachgebrauch aktiv pflegen.
Verkehrlich bleibt die Stadt durch ihre Tallage benachteiligt, die einstige Eisenbahnverbindung wurde schon 1967 stillgelegt und durch Busse ersetzt, erst eine nahegelegene Autobahnauffahrt verbesserte später die Anbindung. Politisch wechselten nach der Wende die Bürgermeister zunächst häufig, inzwischen hat sich das Amt mit wechselnden Mehrheiten gefestigt, zuletzt setzte sich 2024 ein neuer Bürgermeister gegen den Amtsinhaber durch. International pflegt Ruhla Partnerschaften mit einer französischen und einer sauerländischen Gemeinde, entstanden aus Ferien- und Schüleraustauschen. Mehrere Sportlerinnen und Sportler aus dem Wintersport, etwa im Skispringen und in der nordischen Kombination, stammen aus der Stadt und wurden teils Welt- oder Vizeweltmeister. Insgesamt zeigt sich Ruhla damit als Ort, der seine Industrievergangenheit in Museen und Tourismus überführt hat, ohne seine lokalen Traditionen aufzugeben.
St. Concordia in Ruhla ist die einzige Winkelkirche Deutschlands, die noch in ihrem ursprünglichen Bauzustand steht.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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