Morgenwunder

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Seit 1545 wird hier gegessen – Frauen erst seit 2020 dabei

Die Schaffermahlzeit in Bremen gilt als das älteste noch bestehende, jährlich wiederkehrende Festmahl der Welt und entstand aus einem Abschiedsessen von Kaufleuten und Kapitänen zu Beginn der Seefahrtssaison. Getragen wird sie seit 1545 von der Stiftung Haus Seefahrt, die ursprünglich in Not geratene Seeleute unterstützte, und aus der auch die Bezeichnung „Schaffer“ für die verantwortlichen Kaufleute und Kapitäne stammt. Über Jahrhunderte wanderte die Feier durch verschiedene stiftungseigene Häuser, bis sie nach der Zerstörung ihres Gebäudes im Zweiten Weltkrieg 1952 einen neuen Ort fand: die Obere Rathaushalle in Bremen, wo sie seither jedes Jahr im Februar abgehalten wird. Immer wieder musste das Fest wegen Kriegen, wirtschaftlicher Not oder zuletzt der Corona-Pandemie ausfallen, überstand solche Unterbrechungen aber stets und wurde später fortgesetzt.

Besonders lange umstritten war der Ausschluss von Frauen, die traditionell nur in einem separaten Raum bewirtet wurden, während die Männer im großen Saal tafelten. Erst vereinzelt ab 2004 und dann ab 2015 durften einzelne Frauen als Gäste oder Ehrengast teilnehmen, etwa als Kapitänin oder als Bundeskanzlerin, bis die Veranstaltung 2019 beschloss, sich ab 2020 vollständig für Frauen zu öffnen. Diesem Schritt gingen jahrzehntelange öffentliche Proteste, politische Anträge und mediale Kritik voraus, unter anderem von der Bremer Frauenbewegung und der Bürgerschaft. Die Vergangenheit der Schaffermahlzeit ist zudem durch die NS-Zeit belastet, als hochrangige Nationalsozialisten wie Himmler oder Freisler als Ehrengäste eingeladen wurden, um wirtschaftliche Kontakte zu pflegen.

Heute läuft das Fest nach einem streng festgelegten Ritual ab: Frack und weiße Fliege, ein historisch geschmücktes Tafelsilber, ein sechsgängiges Menü mit Stockfisch, Braunkohl und Kalbsbraten sowie zwölf Reden, die von der Nationalhymne und dem Ruf „Hepp, hepp, hepp – hurra“ begleitet werden. Höhepunkt ist die Rede des Ehrengasts, meist ein Spitzenpolitiker oder Wirtschaftsvertreter, während parallel Spenden für die Stiftung gesammelt werden. Die Veranstaltung gilt längst als bedeutendes gesellschaftliches Ereignis und Networking-Treffen der deutschen Wirtschaftselite, zieht aber auch regelmäßig Demonstrationen an, etwa von Klimaaktivisten gegen geladene Minister. Nach dem eigentlichen Mahl schließt sich traditionell der Seefahrtsball an, bei dem junge Bremer in die Gesellschaft eingeführt werden.

Das Festmahl hat einen sehr praktischen Nebenzweck: Die rund 100 geladenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sitzen 200 Schaffern gegenüber – und werden bei Tisch um Spenden für die Stiftung Haus Seefahrt geworben.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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