Natur & Lebewesen
Vögel, die im Flug schlafen und ihr Nistmaterial nie am Boden holen
Segler sind eine Vogelfamilie, die trotz ihrer Ähnlichkeit mit Schwalben ganz anders entstanden ist und wie kaum eine andere Gruppe für das Leben in der Luft gebaut ist. Mit ihren schlanken, sichelförmigen Flügeln erreichen sie im Flug Geschwindigkeiten von über 150 km/h, jagen Insekten und Spinnentiere ausschließlich fliegend und sammeln sogar ihr Nistmaterial im Flug. Ihre Füße sind zum Klammern an senkrechten Flächen gemacht, aber praktisch nutzlos zum Laufen oder Sitzen auf Ästen. Der bekannteste Vertreter, der Mauersegler, brütet in Mitteleuropa heute fast nur noch in Nischen an Gebäuden und ist im Hochsommer mit seinen schrillen Rufen über Städten unübersehbar. Besonders auffällig sind einige südostasiatische Salanganen, die sich per Echoortung durch dunkle Höhlensysteme navigieren, eine Fähigkeit, die sonst bei Vögeln kaum vorkommt.
Die gut 90 Arten sind an ganz unterschiedliche Lebensräume angepasst, von Wüsten bis zu Palmenhainen, und die meisten außerhalb der Tropen brütenden Segler ziehen über weite Strecken, wobei sie oft nachts und auf breiter Front unterwegs sind und dabei auch spontane „Wetterfluchten“ vor Tiefdruckgebieten unternehmen. Bei der Fortpflanzung sind Segler an dunkle, schwer zugängliche Nistplätze gebunden, weil sie sich kaum gegen Feinde verteidigen können, und bauen ihre Nester meist mit Speichel aus gesammeltem Material, wobei manche Arten, wie die Weißnestsalangane, das Nest komplett aus Speichel formen. Genau diese Nester werden für die als Delikatesse geltende Schwalbennestersuppe genutzt, was zu drastischen Bestandsrückgängen geführt hat, etwa bei der Schwarznestsalangane in den Niah-Höhlen, deren Population von über zwei Millionen auf rund 300.000 Tiere schrumpfte. Die Jungvögel bleiben ungewöhnlich lange im Nest, weil sie beim Ausfliegen sofort voll flugfähig sein müssen, und manche Arten verbringen sogar ganze Nächte fliegend in der Luft, statt zu landen.
Stammesgeschichtlich bilden die Segler zusammen mit den Baumseglern und den nah verwandten Kolibris eine gemeinsame Ordnung, deren genaue Verwandtschaft zu anderen Vogelgruppen wie den Schwalmartigen bis heute diskutiert wird. Innerhalb der Familie unterscheidet man ursprüngliche amerikanische Formen von den weiter verbreiteten Salanganen, Stachelschwanzseglern und typischen Seglern, wobei besonders die Gattungsabgrenzung bei den Salanganen umstritten bleibt. Fossilfunde aus dem frühen Eozän zeigen, dass seglerähnliche Vögel einst deutlich kleiner waren als heutige Arten. Der Mensch beeinflusst Segler zwiespältig: Moderne, glatte Fassaden nehmen ihnen viele frühere Nistplätze, während ältere Gebäude ihnen überhaupt erst das Vordringen in neue Lebensräume ermöglicht haben. Mittlerweile stehen mehrere Arten unter Schutz, und Zuchtbetriebe in Südostasien versuchen, den Nesthandel nachhaltiger zu gestalten.
Manche Salanganen orten per Echo – eine bei Vögeln höchst ungewöhnliche Fähigkeit, mit der sie sich in verzweigten Höhlensystemen zu ihren Nistplätzen tasten. Genau diese Nester landen als Delikatesse in der Schwalbennestersuppe.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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