Morgenwunder

Erde & Orte

Obersendling liegt nicht in Sendling – und das seit 1818

Sendling ist der sechste Münchner Stadtbezirk südwestlich der Innenstadt, an die Isar grenzend, und war ursprünglich ein Dorf, das vermutlich im 6. Jahrhundert von einem germanischen Sippenchef namens Sendilo gegründet wurde. Über Jahrhunderte war es ein bäuerlich geprägter Ort mit eigenem Adelsgeschlecht, den Sentlingern, die es in München zu Reichtum und politischem Einfluss brachten, bevor die Familie um 1500 ausstarb. Weithin bekannt wurde der Ort 1705 durch die sogenannte Sendlinger Mordweihnacht, als ein bayerischer Bauernaufstand blutig niedergeschlagen wurde – ein Ereignis, das bis heute in Straßennamen, Denkmälern und Gedenkfeiern nachwirkt. Erst im 19. Jahrhundert, mit der Industrialisierung und der Eingemeindung nach München 1877, wuchs Sendling zum dicht besiedelten Arbeiter- und Fabrikviertel heran, in dem sich Firmen wie Siemens und Krauss-Maffei ansiedelten.

Im 20. Jahrhundert traf der Nationalsozialismus das traditionell links geprägte Viertel hart: Jüdische Bewohner wurden verfolgt, enteignet und ermordet, Zwangsarbeiter in Fabriken und Außenlagern des KZ Dachau eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Sendling mehrfach bombardiert, wobei besonders die Großmarkthalle, mehrere Kirchen und Wohnviertel schwer beschädigt wurden, auch wenn die Zerstörung insgesamt geringer ausfiel als in der Innenstadt. Nach dem Krieg lebten zeitweise tausend Vertriebene in Baracken, während gleichzeitig neue Industrie wie die Zigarettenproduktion von Reemtsma und später Philip Morris für wirtschaftlichen Aufschwung sorgte. Bis heute prägen mehrere Kirchenbauten, darunter die imposante Neue Pfarrkirche St. Margaret mit ihrem hohen Turm, sowie Plätze wie der verkehrsreiche Harras das Bild des Viertels.

Heute leben rund 41.000 Menschen in Sendling, mit einem wachsenden Anteil jüngerer, gut ausgebildeter Zuzügler neben der traditionellen Arbeiterbevölkerung. Wirtschaftlich dominiert weiterhin die riesige Großmarkthalle, einer der größten Umschlagplätze für Obst und Gemüse in Europa, während Handel, verarbeitendes Gewerbe und zunehmend Dienstleistungen Tausende Arbeitsplätze bieten. Verkehrlich ist der Bezirk durch den Mittleren Ring, mehrere U-Bahn- und S-Bahn-Linien sowie den Verkehrsknoten Harras stark erschlossen, was Anwohnern zugleich Lärm- und Abgasbelastung beschert. Vereine, Kirchengemeinden, ein Freibad, Grünflächen wie der Flaucher und Streit um Themen wie eine geplante Moschee oder den Erhalt des Biergartens Tannengarten zeigen, dass Sendling ein lebendiges, aber auch von Konflikten begleitetes Viertel geblieben ist.

Obersendling kam 1818 zu Thalkirchen und gehört bis heute zu einem ganz anderen Stadtbezirk; auch Teile von Mittersendling liegen inzwischen in Sendling-Westpark.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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